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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 198 -
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Nach dieser Konferenz begab ich mich nach Gastein, um dort einige Wochen Ruhe zu finden. Verschiedene Vorkommnisse veran- laßten mich, anfangs August beim Kaiser, der wie alljährhch um diese Zeit in Ischl weilte, zum Vortrag zu erscheinen. Die Audienzen in der recht beschränkten kaiserHchen Villa unterschieden sich ihrer Äußerlichkeit nach von jenen in Schönbrunn oder Wien. Eine ge- wisse Zwanglosigkeit, ein Lüften der Etikette wurde markiert. Offi- ziere erschienen ohne Säbel. Der Kaiser trug die Jägerjoppe, und kein diensttuender Flügeladjutant besorgte die Anmeldung. Nach- her wurde man stets der Familientafel zugezogen, die sich von den offiziellen Diners dadurch unterschied, daß die Diener nach Servieren jedes Ganges den Speisesaal verließen,um auf einvon der Erzherzogin Valerie gegebenes Tischglockenzeichen wieder einzutreten. Über allem waltete eine erdrückende Langeweile, und ein im Flüsterton dahin- plätscherndes Gespräch mit endlos langen Pausen wirkte direkt ein- schläfernd. Neben mir saß eine noch jüngere Hofdame, die Tochter eines einst sehr bekannten Generals, und ihreTemperament verraten- den Augen ließen ein völliges Bedauern über die Monotonie des Da- seins in erstickender Treibhausluft aufkommen. Den Kaiser hatte ich noch nie so übler Laune gesehen wie bei jener Audienz. Nichts war ihm recht, und selbst bereits getroffene und sanktionierte Entscheidungen bemängelte er nachträglich. Mit besonderem Unwillen nahm er meinen Bericht über die Minister- konferenz zur Kenntnis, wobei sich sein Unwillen seltsamerweise nicht gegen die frondierenden ungarischen Minister, sondern gegen mich wendete. Da bereute ich's fast einenMoment lang, daß ich nicht innerhalb des so bequemen ,,Schönaichschen Paktes" gebheben war, sondern aus lauterem Interesse für die Sache den Kampf herauf- beschworen hatte, der mir solch herrliche Anerkennung eintrug. Zum Schlüsse beauftragte mich der Monarch, zum Thronfolger zu fahren, um mit ihm eine persönhche Angelegenheit des Generals Boroevic^) ins reine zu bringen. Nach dieser Audienz dachte ich daran, die Konsequenzen aus der kaiserHchen Ungnade zu ziehen. Anderseits lag es mir aber sehr am Herzen, die für Mitte September einberufenen Delegationen zu absolvieren,um dann eventuell meinem Nachfolger reinen Tisch zu übergeben. Als Soldat erinnerte ich mich, daß jedem ehrenvollen Rückzug ein Gegenstoß vorangehen müsse. Von Ischl fuhr ich nach Salzburg zum Thronfolger. Er empfing mich in bester Laune, belächelte meine Verstimmung, die sich meiner ob der Ischler Audienz bemächtigt hatte, und vertröstete mich wie <Si . . ^) Es handelte sichum die Insulte, die diesem verdienten General durch die ülegitime Tochter eines Staatsbediensteten angetan worden waren. 198
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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