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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ihn nicht hören, verbarg den Kopf tief in den Sand und hielt an politischen Plänen und Hirngespinsten mit pathologischer Verbohrt- heit fest. Am Nachmittag kam der Erzherzog nach Riva. Er war schlechter Stimmung, da der Erzbischof Endrici ihn in Torbole mit einer sehr kühlen Ansprache empfangen hatte. Ich wurde zu einer langen Audienz berufen, wobei ich zunächst Vorwürfe bekam, daß ich zwei quiescierte Generale in persönhchen Angelegenheiten zu sehr unterstützt hatte. Als ich dann von einer Reihe Meliorationen be- richtete, trat die Gnadensonne wieder aus den Wolken. Franz Ferdinand und ich fuhren zur Besichtigung einiger Stel- Imigen. Aus irgendeinem Grund war bei dieser kurzen Fahrt an Stelle von Oberst Bardolff der frühere Flügeladjutant des Erzherzogs in Brosch anwesend. An einer kleinen Grenzstation verließen wir das Auto, und der Erzherzog empfing eine Huldigungsdeputation der Ortsgemeinde. Es war unmittelbar am Grenzschlag, an dessen an- derer Seite die italienischen Financieri standen. Am gleichen Fleck fielen zweiundeinhalb Jahre später die ersten Schüsse zwischen unsern Grenzpatrouillen und den Italienern. Von uns dreien aber, die wir da nebeneinander gestanden, war der Erzherzog ermordet, Brosch im heldenmütigenKampf gefallen, und ich nach siegreich geführter großer Schlacht infolge bösartiger, bornierter Anklage— in Unter- suchungshaft! II paradiso, il inferno! Die Gebirgsmanöver wurden vom Korpskommandanten, General der Kavallerie Dankl, geleitet. Der Verlauf war im ganzen inter- essant. Inmitten der Truppen fühlte ich mich voll in meinem Ele- ment, und die Ministerei erschien mir eine höchst fragwürdige Bei- gabe. Der Erzherzog freute sich über die schönen I^eistungen der Truppen. Sein reichlich gespendetes Lob sollte auch Aneiferung und Anerkennung für die, oft unter ungünstigsten Verhältnissen in des Reiches ferner Südwestmark dislozierten Soldaten sein. Als ungebetener Gast wohnte den Übungen ein Oberstleutnant des italienischen Generalstabes bei, der sich durch Flucht der Ausweisung entzog. Vielleicht waren noch manch andere seiner Kameraden,— natürlichnuraus„wärmstembundesfreundlichenInteresse"—imVer- borgenen anwesend. An Schlupfwinkeln war kein Mangel, denn wir befanden uns inmitten der Terra Irredenta, worüber auch die zahl- reich ausgesteckten Fahnen nicht täuschen konnten. Wie sehr die Irredenta dort lauerte, erwies sich drei Jahre später auf das ekla- tanteste. Dann kamen aber die vielen Verhaftungen und schweren Strafen schon post festum. Allerdings war zugutem Teile das schran- kenlose In-die-Halme-Schießen des Unkrautes durch unser Bundes- 200
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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