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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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gation— insbesondere die ungarische — im Zeichen des Sturmes. Ungarn befand sich noch immer im Zustand ex lege, und die I^inke — namentlich die äußerste I^inke (Gruppe Graf Michael Karoly, der nachmahge erste Präsident Ungarns)— wollte es überhaupt zu keiner Delegationstagimgkommen lassen. Zur Verhütung von Exzessen war sogar die ungarische Parlamentsgarde nach Wien gekommen und nahm im ungarischen Haus in der Bankgasse Aufstellung. Doch kam's zu keinem Einschreiten. Immerhin hatten sich Parlaments- mitglieder der Karolyipartei auf der Tribüne versammelt, imd bei Beginn der Sitzung wetterte der gräfliche Führer unter Beifallstosen seiner Kommilitonen einen Bannspruch gegen die Delegation, worauf der Exodus dieser Gruppe erfolgte. Dabei apostrophierte der Alters- präsident, der achtzigjährige"Baron Harkanyi, die Tumultanten auf das energischste. Im Viererausschuß war das Expose des Grafen Berchtold dem Wesen nach eine Paraphrase der Thronrede. Ein politisches Baro- meter, das auf „VeränderHch" zeigte. So blieb's eigentlich auch in den nächsten Tagen, wenngleich im Publikum durch die kursieren- den Nachrichten eine gewisse Nervosität Platz griff. EineAbordnungvonMitgHedern des österreichischen Herrenhauses, die Grafen Latour, Clam-Martinic, sowie die Fürsten Starhemberg und Lobkowitz kamen zu mir, und ersuchten mich, sie über die tat- sächHchen Verhältnisse der Heeresbereitschaft zu orientieren. An der Hand der Karte wies ich nach, daß sich Rußland ganz deutlich zu einem Waffengang gegen die ]\Iittelmächte, vor allem gegen Öster- reich-Ungarn vorbereite. Ich lenkte die Aufmerksamkeit auf die völlig offensiv zu nennenden Bahnbauten der letzten Jahre, die alle gegen OstgaHzien konfluenzierten. Die vier österreichischen Magna- ten hörten meinen Ausführungen aufmerksam zu, doch sah ich's ihnen an, daß sie nicht erbaut waren und mir auch nicht recht glaub- ten. Ich vernahm auch wieder, wie schon so oft, direkt und indirekt den Einwurf, daß mein Vorgänger bei Abschluß seines berühmten Paktes doch feierlich erklärt habe, es sei für die volle Schlagfertigkeit derArmee alles getan, und nun käme ich zum Erstaunen aller mit meinen erneuten Forderimgen. Dies hinderte mich aber durchaus nicht, in der am 30. September stattgefundenen Sitzung des österreichischen Wehrausschusses in ganz ähnlicher vmd recht deutlicher Weise zu sprechen. Die ge- naimten jNIitglieder des Herrenhauses waren dadurch einigermaßen verschnupft, und ihre höfischenBeziehimgen gabenihnenGelegenheit, darob bei Franz Ferdinand Vorstellungen zu machen. Dies verfing aber bei mir nicht, und ich erklärte dezidiert, auf keinen Fall ein 205
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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