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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Nachahmer des Marschalls I^eboeuf vom Jahre 1870 sein zu wollen, der mit seinem berüchtigten „archipret" das Vaterland ins Verderben gestürzt hatte. Um aber die Stimmimg, die durch dieses ungewohnte Abgehen von sakrosankten Gebräuchen ernst und trübe geworden war, wieder zu beleben und die Gerechtigkeit sprechen zu lassen, ergriff ich zum Schlüsse erneut das Wort, hob die vorzüglichen Eigenschaften unserer Bevölkerimg, der braven opferbereiten Mann- schaft und des bescheidenen tüchtigen Offizierskorps hervor. Ich schloß: „Graf im Bart, Ihr seid der reichste — Euer I^and trägt Edelstein!" Der folgende Tag sollte für mich durch ein eigenartiges Vorkomm- nis an Bedeutung gewinnen, das wohl auch sonst verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten. Der ungarische Ministerpräsident, Dr. Lukacs, kam zu mir mit der Mitteilung, es sei ihm amtlich gemeldet worden, daß ich zwölf Batterien der 30,5cm Mörser bestellt habe, trotz des gegensätzlichen Ministerratsbeschlusses vom 6. Dezember 1911, Er fragte mit ernster Miene, ob dies denn auch wirklich der Wahrheit entspräche. Ich be- jahte und fügte hinzu, daß die Verantwortung, die ich vor meinem Gewissen und vor der Zukunft des Staates zu tragen hätte, mir höher stünde als meine ]VIinisterverantwortlichkeit und daß ich be- reit sei, jede Konsequenz zu tragen. Lukacs meinte, in diesem ekla- tanten Fall würde es wohl auch erforderhch sein, da eine IVIinister- anklage unvermeidhch wäre. Ich beschloß, das Prävenire zu spielen und noch am selben Nachmittag im österreichischen Wehrausschuß die Angelegenheit zu motivieren, sowie — im Ablehnungsfalle— sofort die Konsequenzen zu ziehen. Es kam aber anders! Just als ich mit meiner Rede beginnen wollte, lief wie ein Deus ex machina ein Telegramm ein, das die Mobilisierung sämthcher Balkanstaaten kündete. Dies hellte die Situation wie ein Blitz in dimkler Nacht auf, imd von meiner Eigenmächtigkeit wurde weder in der öster- reichischen noch in der ungarischenDelegation je einWortgesprochen. „Welch ein Glück!" riefen die mir Nächststehenden aus, und ich selbst hielt es für einen Glücksfall, rein wie Gold. Und doch war's nur Katzengold! Denn keine größere Genugtuung hätte mir später werden können, als die Ministeranklage in jener Zeit für eine rein persönliche I^istung, die sich zwei Jahre später als ausschlag- gebende Errungenschaft, als die wirkungskräftigste Ar- tilleriewaffe des Feldzuges erwies. Hierdurch wäre mir amthch bescheinigt worden, daß ich der Vater dieser organisatorischen Maß- nahme sei, da mir den Ruhm, vor einem Staatsgerichtshof zu er- scheinen, gewiß niemand streitig gemacht hätte. So aber, als damals 206
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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