Seite - 207 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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alles glatt ablief, und dann die zerschmetternde Wirkungsfälligkeit
dieser Mörser gleich im Beginn des Krieges aller Welt vor Augen
geführt wurde, meldeten sich zwei Väter: Conrad und Krobatin!
Byzantinisch dienstbeflissene Journale fanden sich auch sofort,
um diesen in Amt und Würden stehenden Männern Weihrauch
zu streuen, währenddem alle öffentheben ^Mitteilungen, die den
wahren Sachverhalt darstellten, von der Kriegszensur unnachsicht-
lich gestrichen wurden, an deren Spitze der Feldzeugmeister Schleyer
stand.
Die Delegationsverhandlungen gingen ihren durch die äußern Ver-
hältnisse beflügelten Gang weiter, und die Delegierten waren freund-
lich genug, dem jVIinister des Äußern keinerlei Vorwürfe zu machen
ob der kriegerischen Überraschung, die ihnen so urplötzHch beschie-
den worden war. Allerdings mußten sie sich im Innern sagen, daß
sie überrascht sein wollten, da doch nur sanft khngende Schalmeien
akzeptiertund mit Beifall begrüßt wurden. Ich wies für meine Person
auf den ,,Turmwächter" hin, ,,den die biedern Bürger von Schiida ge-
drosselt, weil er in der Nacht ein Schadenfeuer avisiert hatte". Man
gab mir auch vielfach recht, und so beschlossen wir, Stürgkh und
ich, den außerordentlichen ICredit von 250 IVIillionen nochmals in
einem ad hoc einzuberufenden Ministerrat einzubringen und ihn dann
in das Budget 1912 einzustellen. Es gelang! Wenngleich mit Schwie-
rigkeiten, denn im Gegensatz zu seinem österreichischen Kollegen,
Grafen Zaleski, konnte sich's Teleszky, der ungarische Finanzminister,
auch bei dieser Gelegenheit nicht versagen, nörgelnd und störend auf-
zutreten.
Die kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan hatten ihren Anfang
genommen, und man gewann sofort den Eindruck, daß die Türkei in
die Hinterhand geraten würde.
Der Chef des Generalstabes, Schemua, plädierte für großzügige
Rüstungsmaßnahmen und wollte, wenn schon keine allgemeine Mo-
bilisierung, doch wenigstens die der unteren Korps ins Werk setzen.
Er unterbreitete auch eine diesbezüghche Denkschrift dem Kaiser.
Doch ich wollte dem nicht beipflichten, bevor man über die ein-
zuschlagende Richtimg bestimmte Konklusionen ziehen könnte.
Mobihsienmgen, wenn auch nur teilweise bewirkt, bringen das Rad
leicht ins Rollen— oft auch gegen die eigene Absicht— und kosten
auf jeden Fall ein unbändiges Geld. Über die Direktion war man
aber noch gänzlich im unklaren. Politisch überrascht, war es den
Regierungen und Parlamenten glücklich gelungen, die miHtärischen
Vorsorgenund Ausgestaltungen zu behindern, undnun war es schwer,
zu einem Entschluß zu kommen. Zudem schien die Situation so
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918