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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ansprachen, die manchmal eine erhebhche politische Tragweite be- saßen. Gewöhnlich waren sie aber uniform gestimmt. Man lächelte und witzelte darüber vielfach. Doch mit Unrecht. Der verewigte Kaiser wußte, daß jedes seiner Worte, wenn nicht verdreht, doch x-fach zergliedert und ausgelegt wurde, um womöglich einen ganz besonderen Sinn zu bekommen, und er wußte auch, daß seinem nüchternen Verstände jeghche Geistreichelei und Effekthascherei fernlag. Somit suchte er auch gar nicht nach espritvollen Aper9us, sondern hielt die Cerclekonversation stets im engen Rahmen, den er nur selten und dann mit bestimmter Absicht überschritt, noch sel- tener aber überschreiten ließ. NamentÜch in so kritischer Zeit. — Es war ein durch Dezennien geübter Brauch, jeden gemeinsamen Minister spätestens nach der ersten erfolgreichen Delegationssession mit dem Großkreuz des Leopoldordens auszuzeichnen. Diesem Ge- wohnheitsaktgemäß wurde auch diesmal vom Chef der Mihtärkanzlei — beileibe nicht aus irgendweich anderen Motiven— ein bezüglicher Vortrag unterbreitet,um somehr alsganzbesondereErrungenschaften erkämpft worden waren. Doch auch jetzt sollte mich kein Strahl der Gnadensonne streifen, und gelegentlich meines persönHchen Referats vernahm ich nicht ein Wort der Anerkennung, nur den kurzen Hin- weis, daß die in zwei Wochen einsetzende nächste Delegation (Bud- get 1913) gleichfalls wunschgemäß zu realisieren sei. Vom Thron- folger erhielt ich allerdings ein Schreiben, darin mir bei voller Wür- digung meiner Leistungen der Dank ausgesprochen wurde. Die Kriegsereignisse am Balkan schritten fort und bewirkten den vollständigen militärischen Zusammenbruch der Türkei. Ein Ver- sagen auf allen Räumen und Linien, so daß der Strom der nach- folgenden Verfolger, namenthch der Bulgaren, erst an der Tscha- taldschalinie aufgehalten werden konnte. Ohne zu beschönigen, muß ich berichten, daß mangels eines positiven Zieles die Ratlosigkeit und Verlegenheit unserer äußern Politik im gleichen Maße mit den Er- folgen der christUchen Balkanstaaten wuchs. Im Stillen wünschte man der Türkei alles Gute, rührte aber keinen Finger, um sie aus ihrer Notlage zu ziehen. Man komplimentierte die Sieger, deren Er- folge man heimlich verwünschte, imd wußte nicht Bescheid, wie man es anstellen sollte, ihren Fortschritten Einhalt zu gebieten, ohne sich vordem übrigen Europa und vor der eigenen slawischen Bevölkerung zu diskreditieren. Unter diesen Umständen wurde selbst die sogenannte ,,Prohazka- Affäre" wie ein Rettungsanker begrüßt, nach welcher der in Üsküb residierende österreichisch-ungarische Konsul Prohazka von den Ser- ben verjagt oder, wie es anfänglich hieß, verstümmelt, ja sogar ge- 210
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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