Seite - 212 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Vor allem, war es wieder die Artillerie, die mir im Sinn lag und
die gerade bei einem Waffengang mit Rußland zu entscheidender
Geltung kommen würde. Da fanden nun meine Bestrebungen— der
Wahrheit die Ehre— an dem Vorstand der lo. Abteilung einen vor-
trefflichen Interpreten. Ich hebe dies aus dem Grund hervor, weil
just dieser Mann drei Jahre später sich meinen bösesten Feinden
anreihte.
Ich beschloß, sofort 76 Feldkanonenbatterien aufzustellen. Wie
vorauszusehen,fandensichgleichWidersacher, darimtermerkwürdiger-
weise auchVertreterderLandes-Verteidigungs-^Iinisterien, obwohl die
Armeeeinheiten der beiden Landwehren den größten Nutzen daraus
ziehen sollten. Leicht ging die Aufstellung nicht vonstatten. Die
Kanonen waren wohl vorhanden, doch alles andere mußte beschafft
werden: Offiziere, Mannschaft, Pferde, Rüstungen, Geschirre, Mu-
nition, Reservevorräte usw. Vor allem aber mußten Widerstände,
die von vielen hohen und höchsten Stellen kamen, besiegt und auch
die unbedingte Notwendigkeit klargemacht werden, daßman mehrere
Wochen derÜbergangszeit mit inKaufund Risiko nehmen müßte. All
dies wurde übertaucht, undbei der unter Vorsitz des KaisersinSchön-
brunn stattgefundenen Schlußkonferenz wurde das Projekt endgültig
angenommen. Sechs Wochen später standen dann die 76 Batterien
bespannt da. Das bedeutete rund 30 Prozent des damaligen Gesamt-
standes an leichten Feldbatterien, ferner die weitaus größte artil-
leristische Ausgestaltung, die je im Frieden in Österreich-Ungarn
stattgefunden hatte. Im Verein mit den von mir aufgestellten zwölf
Automörserbatterien sollte daraus aber nicht mehr und nicht weniger
resultieren, als die Rettung Österreich -Ungarns vor dem
ersten Russensturm im Weltkrieg. Nach meiner Demission
wurde dann bis tief in den Feldzug hinein nicht e in Geschütz neu
aufgestellt, ebenso wie Dezennien vorher alle meine Vorgänger wohl
debattiert, gejammert und vom
, »Verdorren der Armee" gesprochen,
aber sich doch nie zu einer einschneidenden Handlimg emporgerafft
hatten. Und wenn mir als Lohn meiner Tätigkeit, 14 Tage nach der
Schönbrunner Konferenz, auch nichts anderes als die Demission zu-
teil wurde, ließ ich's unentwegt gelten, im Bewußtsein, dem Vater-
land gedient zu haben. Selbst der Gedanke ließ mich kalt, daß durch
höfische oder sonstige Einflüsse mir niemals Gerechtigkeit werden
würde. Der Lohn der Tat ist, daß sie den Ausführenden frei macht
und frei wegsehen läßt über Bosheit und Neid.
Anfang November fand in Budapest die zweite, genau genommen
die dritte Delegationssitzung dieses Jahres statt, wobei das Budget
pro 1913 erledigt werden sollte. Da die großen Nachtragsforderungen
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918