Seite - 221 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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menteskam es während des Bahntransportes nach Galizien zu ernster
Renitenz. Es wurden sofort scharfe Repressivmaßnahmen getroffen.
Nur kamen auch diesmal die eigentlichen Urheber der Agitation mit
einem blauen Auge davon. Ich erheß ein Rundschreiben an die
Kommandierenden Generale, darin ich sie ersuchte, die auswärtigen
Stationen häufig zu inspizieren. Weniger um die taktische Ausbil-
dung zu kontrollieren, als um auf den Geist zu wirken. So ähnlich
wie ich es als Kommandierender General in Sarajewo gehalten hatte.
Dieses Zirkular kam zur Kenntnis des Kaisers, dem irgendein Passus
darin nicht gefiel. Sein Mißfallen verdichtete sich in einem Brief des
Generaladjutanten Baron Bolfras an mich, der an ungeschminkter
Deuthchkeit nichts zu wünschen übrig Heß. Da der Genannte sich
hierbei auf eine „Allerhöchste Willensmeinung" berief, koimte ich
dagegen nichts tun. Daß dies wieder ein Versuch sei, mich in „huld-
voller Weise" zu einem selbständigen Rücktritt zu veranlassen, kam
mir nicht in den Siim. Bei meinen sachlichen Erfolgen konnte ich
einfach nicht begreifen, daß das rein persönliche I^Ioment in so kri-
tischer Zeit eine derartige Gewichtsdifferenz erbringen köime. Und
mag es despektierlich, mag es revolutionär klingen, in jenem Mo-
mente bekümmerte ich mich weder um Sympathie noch um Anti-
pathie. Ich ging meinenWeg, der zur Bereitstellimg derArmee führte.
Unter anderm bestellte ich 800 Stück Maschinengewehre en bloc,
was nach dem Schönaichschen Projekt erst im Jahre 1916 hätte er-
folgen können. So lange würden ims aber die Russen imd Serben
den Wechsel kaum prolongiert haben! Desgleichen wurden große
Futter- und Mehlvorräte beschafft. An erstem war der Bedarf ein
enormer, die Beschaffung eine schwierige. Zu welch unangenehmen
Konsequenzen— wieder nur für meine Person— dies später führte,
will' ich an geeigneter Stelle erzählen. Hier sei nur als Kuriosum er-
wähnt, daß ich gelegenthch eines Referates durch die Frage über-
rascht wurde, ,,von welcher Seite ich denn eventuell eine Störung
des Seezuschubes befürchte^ da wir dochmit Italienverbündet seien ?"
Auf meine Antwort: „Von engHscher Seite", wurde mir erwidert:
„Aber, aber, von England?!"
In jenen Tagen wurde ich auch zum Thronfolger berufen, um über
den Stand der Ausrüstung zu referieren. Die allgemeine Situation
ging ihm gegen den Strich, imd nach wie vor meinte er, daß es zu
nichts kommen dürfe. Ich vermied, ihm zu sagen, daß dies wohl zu
gutem Teil in seiner Hand gelegen war, doch jetzt nicht mehr darin
liege. Aber ich dachte mir's. Nebst den politischen Gründen sprachen
beim Erzherzog imbedingt solche persöiüicher Natur mit. Ich mußte
ihm auch über den Verlauf der Delegation berichten, wobei er mir,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918