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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich war starr. Jetzt inmitten ernster Kriegsvorbereitungen, nach- dem ich vieles— vielleicht allzu vieles geschaffen, mich parlamen- tarisch durchaus bewährt, die Zustimmung zu Ausgestaltungen ge- wonnen, an die man vor JahresfristkaumimTraum gedacht hatte— jetzt sollte ich urplötzlich meine Demission geben! War's da nicht mit Sicherheit vorauszusehen, daß alle Welt die gewagtesten, aben- teuerlichsten Kombinationen an diesen Rücktritt knüpfen würde? Ich fragte den Thronfolger nach den Motiven, die mich zu diesem Curtiussprung zwingen sollten, und die weder in mir, noch in den äußern Verhältnissen liegen konnten. Darauf erhielt ich viele Worte, doch keine Antwort. Ich sei vielfach angefeindet . . . auch von den Ministern ... die Gunst des Kaisers hätte mir niemals gehört . . . es gäbe einflußreiche Politiker, die fänden, daß ich zu optimistisch . . . andere wieder, und zwar die Mehrzahl, daß ich zu pessimistisch und pazifistisch gesinnt sei ... kurz und gut, der Erzherzog mußte für mich so viele Lanzen brechen, daß ihm keine mehr zu brechen übrig blieb. Ich sah ein, daß ich vor einem fait accompli stand, dagegen ein Kriegsminister nicht anzukämpfen vermochte. Jeder politische Mi- nister brauchte sich unter normalen und wirklich konstitutionellen Verhältnissen, auf sein Recht und seine Partei gestützt, nicht ohne weiteres den Stuhl vor die Tür setzen zu lassen. Bei einem militä- rischen Minister war aber dasDienstreglement dasoberste und, soweit es der Krone paßte, auch das einzige Gesetz, an das er sich zu halten hatte. Dessen war ich mir bewußt und schickte mich nach wenigen Minuten an, zu gehen. Franz Ferdinand überfloß von Freundschafts- versicherungen, wiederholte mehrmals, daß ihm diese Stunde die peinlichste seines I>bens sei, daß auch er nur gehorche, und was es an Süßigkeiten sonst noch gab. Ich fuhr nach Hause, und damit uns gleich im ersten Moment die Wonnen jäh gestürzter Größen zuteil würden, wohnten wir, meine Frau und ich, einem Diner beim Bankgouvemeur Dr. Sieghart bei. Wir hätten wohl absagen können, doch es gefiel uns, der Gesellschaft sofort die Stime zu bieten. Dazu hatten wir vollauf Gelegenheit, denn sie wußten es bereits alle! Stürgkh und Zaleski, Bienerth, der Hausherr imd auch Conrad, dem es in diesem Momente natürlich auch schon bekannt war,daß er durchVerdrängungSchemuas wieder in die erste Linie rücken sollte. Am folgenden Tage ging ich zunächst zu Bolfras. An solche Vor- kommnisse gewöhnt, spielte er den vornehmen Leichenbitter mit Würde, murmelte von Einflüssen meiner Ministerkollegen und fügte ,,wohlwollend" bei, daß ich mich ins Unvermeidliche ohne Eklat 223
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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