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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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parlamentarischen Stürmen zu trotzen, aber ich verstand es nicht, mir die Fürstengunst zu erringen. Dies sollte mir erst zu großem, später zu unermeßlichem persönlichen Nachteil, ja zum Unheile wer- den. Doch das sachliche Moment, meine Errungenschaften und Lei- stungen für den Staat, konnte es in keiner Weise beeinträchtigen und auch meinen Nacken nicht beugen. — Kapitel XII Armeeinspektor Bevor ich die nächste Epoche meines Lebens beschreibe, möchte ich eine gedrängte Schilderung jener Persönhchkeit niederlegen, die direkt und indirekt einen so tiefgreifenden Einfluß auf die Geschicke des Staates, ja der ganzen Welt genommen hat: Erzherzog-Thron- folger Franz Ferdinand. Auch von ihm kann der Spruch gelten: ,,Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte!" Hoffnungen vieler, ja ganzer Völkerschaften, rankten sich an ihm empor. Doch auch Befürchtungen und Besorgnisse waren mit dem Ausblick auf seine Herrschaft eng verknüpft. Und will man bei der Wahrheit bleiben, so muß man sagen, daß die Schar der letzteren weitaus überwog. Es war eher der ,,Haß" als die ,,Gunst", der diese ragende Persönlichkeit besonders in der letzten Zeit umgab. Und so unzweifelhaft es allen war, daß der Gang der Staatsmaschine ein fühlbar matter und schwerfälliger geworden, und daß die Hand an der Steuerkurbel kaum mehr die Kraft besaß, eine bestimmte Rich- tung einzuhalten, gab es gleichwohl viele, die sich vor dem Wechsel fürchteten. Nichtsdestowenigermußte aber jeder aufmerksame Beob- achter, der Gelegenheit hatte, den Erzherzog zu studieren, zugeben, daß Franz Ferdinand eine hochbedeutende Persönlichkeit war, die sich von jeglicher Umgebung mächtig abgehoben hätte, auch wenn man in ihm nicht den zukünftigen Anwärter der Krone erblickt hätte. Des Thronfolgers Verstand und Wille waren weit über das Mittelmaß entwickelt. In dieser Hinsicht reichte kein Mitglied der Dynastie auch nur annähernd an ihn heran. Die Raschheit seiner Auffassung, die Gewandtheit, des Wesens Kern zu erfassen, war oft stupend und äußerte sich besonders dann, wenn seine persönlichen oder dynasti- schen Interessen gestreift wurden. Leider fehlte ihm— man müßte hinzufügen ,,in traditioneller Weise"— jene durchgreifende Bildung 226
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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