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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Fragen angehört. In staatsrechtlichen Angelegenheiten wurde der Rechtsgelehrte Dr. Lammasch, der nachmalige letzte Ministerpräsi- dent des alten Österreich, zur Beratung gezogen; doch auch Tezner, Bernatzik und 2olgcr wurden gehört und gelesen. Aber immer nur solche, die auf das sorgsamste bedacht waren, die Gesetze der Ge- meinsamkeit zu bewahren und besonders jeglichen ungarischen Ein- griff zu vereiteln^). Dem konnte man wohl beistimmen, um so mehr, da ein kraftvolles Auftreten nach außen hin nur bei strikterWahrung der Gemeinsamkeit möglich war. Nur wäre es zweckmäßig gewesen, auch die Ansicht jener zu hören, die anderer Anschauung waren. In dieser Hinsicht umgab sich aber der Erzherzog mit unüberschreit- baren Schranken. Er sprach fast niemals mit einer einflußreichen ungarischen PersönUchkeit, und sein Aufenthalt in Ungarn dauerte selten mehr als Tage oder Stunden. Es bereitete ihm ein völliges Vergnügen, die ,,Sphinx vom Belvedere" genannt zu werden, und speziell über die allerdings oft herostratischen Bestrebungen der Un- garn in den Armeefragen konnte er nicht genug harte Worte finden. Vom objektiven Standpunkt aus mußte man dies begreifen, doch war es sehr zu bedauern, daß sich Franz Ferdinand keine Mühe gab, den ungarischen Volkscharakter durch persönliche Anschauung kennen- zulernen. Man konnte allerdings im politischen Verkehr mit Ungarn nicht genug vorsichtig sein. Doch richtig gefaßt, waren sie auch lenksam und als eine kraft- und temperamentvolle Nation auch großer Leistungen fähig. Wie Franz Ferdinand über Staatsverfassung im allgemeinen und Konstitutionalismus im besonderen dachte, vermag ich authentisch nicht anzugeben. Sehr viel Respekt dürfte er aber für staatsrecht- liche Formen kaum gehegt haben, zumal gerade in jener Zeit deren Auswüchse in schroffer, oft groteskerFormzurGeltungkamen. Doch bin ich überzeugt, daß er ein Attentat auf den Konstitutionalismus nie geplant hatte. Sein scharfer Verstand wäre da gewiß auf andere, weniger drastische und im Gesetz begründete Aushilfsmittel gekom- men. Leicht wäre ihm dies allerdings nicht geworden, weil sich bei ihm kontroverse Anschauimgen und Wünsche kreuzten. So wäre ihm z. B.—und wie erwähnt— das allgemeine Wahlrecht in Ungarn 1) Ähnlich hielt er's auch mit der eifrigbetriebenen Geschichte. Nursolche Werke und Forscher galten, die einen spezifisch habsburgisch-österreichischen xind— in den ReUgionskriegen— den katholischen Standpunkt favorisierten. Charakteristisch ist die von ihm ergangene Bestellimg eines Tryptichons für den Festsaal des neuen Kriegsministeriums. Das persönlich gegebene Motiv des Mittelbüdes stellte den Einzug Tülys in Magdeburg dar. Im Gegensatz zu der allgemeinen Auffassvmg, eine Szene der Milde imd Großmut seitens der Sieger. 229
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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