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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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jener Unterstützung zugewendet worden wäre, hätte ich meine Ziele ungleich leichter zu erringen vermocht^). Doch mich ließ Franz Ferdinand, von einer Ausnahme abgesehen (Verteidigung der Reser- vatkronrechte), stets alles allein ausfechten. Inwieweit Franz Ferdinand auf den jimgen Erzherzog Karl Franz Josef einwirkte, kann ich nicht authentisch angeben. Aus manchen Äußerungen mußte ich entnehmen, daß ein reger Verkehr zwischen den beiden Prinzen nicht bestand, wie man überhaupt bis zur Katastrophe vom 28. Juni an Karl Franz Josef nicht weiter gedacht haben mochte und ihn seinen kleinen, rein militärischen Obliegen- heiten überHeß. In der äußern Politik hielt Franz Ferdinand zweifelsohne an dem Bündnis mit Deutschland fest, namentlich in seinen letzten Lebens- jahren, Allerdings war sein Lieblingsgedanke streng ,,inter pares", wobei der älteren Dynastie ein gewisses Vorrecht einzuräumen ge- wesen wäre. Diese Anschauung entsprang teilweise seiner aristokra- tischen Denkungsart, nach der die Anciennität einen Machtfaktor repräsentierte, teils dem Bewußtsein, daß die Habsburger einst die Träger der deutschen Kaiserkrone gewesen waren. Wer dem Erzherzog kriegerische Velleitäten oder hetzerische Ge- danken zumutete, befand sich im Irrtum. Franz Ferdinand war eher Pazifist denn Kriegstreiber und wich kriegerischen Eventuahtäten selbst dann gerne aus, wenn die Chancen günstig standen, wie im Winter 1908/09, Nebst den früher detaillierten sachlichen Motiven lagen da unstreitig auch persönliche vor. Vorerst war der Thron- folger sich bei seinem scharfen Urteil voll bewußt, daß ganz große operative Verhältnisse ihm eigentlich nicht lagen, und daß er dabei auf die Mitwirkung anderer mehr angewiesen sein würde, als es seiner autokratischen Sinnesart gefallen konnte. Dazu trat sein körperliches Befinden, das kein andauernd festes war, und nicht zuletzt war es seine Gemahlin, die einen mächtigen Einfluß auf ihn ausübte und einen etwa auftauchenden kriegerischen Schwung rasch einzu- dämmen wußte. Bei der Herzogin von Hohenberg sprachen nebst rein menschlichen Empfindungen auch solche pazifistischer und vor allem rehgiöser Natur mit, wohl aber auch die Erwägung, daß ihre schwierige angefeindete Position ausschließlich nur auf ihren Gemahl und dessen Prestige aufgebaut war. Daher wollte sie jedes gefähr- liche Experiment vermieden sehen. ^) Die Dreadnonglitdivision wiirde ähnlich wie meineMörserschaffung ohne parlamentarische Bewilligung dem Bau übergeben. Doch vermochte es der persönHche Einfluß des Thronfolgers, daß sich die Rothschildgruppe gewisser- maßen als Bürge stellte, 231
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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