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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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mand besaß vielleicht größeres Vertrauen als ich.— Allerdings nur kurze Zeit, Ich erzählte, wie es zum jähen Auf- und Abstieg kam. Hauptsächlich mochten wohl Verleumdungen meinen Sturz veranlaßt haben, wo nicht die Fama am Ende doch das richtige traf, die da behauptete, der Thronfolger hätte vom Kaiser besonders dringlich erscheinende persönliche Konzessionen nur imter der Bedingung er- halten, daß er mich fallen lasse, mich alsogewissermaßenalsOpfer aus- spiele. Ich glaube es nicht, weil ich es nicht glauben will! In meine mihtärischen, speziell Führerfähigkeiten verlor der Erzherzog das Vertrauen niemals. Ich weiß es bestimmt, daß er noch lange nach meiner Demission sich dezidiert in diesem Sinne äußerte. Wenn der Erzherzog am Leben gebheben wäre, würde mir auch sicher niemals das widerfahren sein, was man mir dann später antat. Zu solcher Verleugnung der Grundsätze hatte er viel zu viel Sinn für das Prestige der Armee. Überdies schätzte Franz Ferdinand alle jene PersönUch- keiten, die mich in schwerstes Unglück hineinstoßen wollten, viel zu gering, alsdaßerderenwahnwitzigenVorschlägenGehörgegebenhätte. So erschaute ich das Bild des Erzherzogs in jenen Jahren, da ich ihm nahestand. Ich übergehe hierbei Einzelheiten imd Schwächen, besonders jene, die aus dem Einfluß resultierten, den die ehrgeizige Herzogin von Hohenberg auf ihn nahm. Gegen mich, namentHch aber gegen meine Frau, war die Gemahlin des Thronfolgers stets von größter Liebenswürdigkeit. Von mir erhoffte sie anfänglich eine be- sondere Einwirkung in kirchlicher Richtimg, der sie bis zur Deferenz ergeben war. GelegentUch meiner Ernennung zum ^Minister äußerte sie: „Jetzt haben wir endlich einen katholischen Minister!" Da ich aber so gar lüchts von einem Zeloten an mir habe, fühlte sie sich ent- täuscht, was sie bei aller Liebenswürdigkeit zu erkennen gab. Es wird erzählt, daß der Erzherzog im letzten Jahre wiederholt vöUige TobsuchtsanfäUe bekam— eine Folge schlummernder Krank- heit. Ob es den Tatsachen entspricht, weiß ich nicht. In der Zeit, da ich häufig bei ihm war, ereignete sich Ähnhches niemals. Wohl ließ sich Franz Ferdinand oft durch sein Temperament hinreißen und nahm kein Blatt vor den Mund, wenn es galt, sein Mißfallen zu äußern. Doch pathologische Anzeichen merkte ich nie. Mir gegen- über wnirde er ein einziges Mal heftig. Wir verhandelten wieder die leidige Nationahtätenfrage. Da w^urde der Thronfolger ungeduldig, stampfte mit dem Fuß und herrschte mich an: „Ja, verstehen Sie mich denn noch immer nicht?", worauf ich ruhig entgegnete: „Ich verstehe Eure kaiserliche Hoheit sehr wohl, aber ich bin nicht Ihrer Meinung." Der Erzherzog besänftigte sich darauf, und die Konver- sation ging in sachhchem Tone weiter. 233
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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