Seite - 234 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich wiederhole, daß Franz Ferdinand eine der bedeutendsten Er-
scheinungen war, die ich auf meinem langen I^ebensweg kennenge-
lernt, imd daß er aller Voraussicht nach auch ein großer Herrscher
geworden wäre. Ob ein glücklicher, sei dahingestellt. Zweifelsohne
wäre aber durch ihn eine prädominante Persönlichkeit auf Habs-
burgs Thron gelangt. Gewiß, er war wenig beliebt, eigentlich viel-
fach verhaßt, besonders bei jenen, die unter seinen fraglos vorhan-
denen unangenehmen Charaktereigenschaften zu leiden hatten. Doch
darf man nicht vergessen, daß dies eigentlich mehr oder weniger nur
Kleinigkeiten waren, und die Gescliichte lehrt, daß fast alle großen
Herrscher, ja die meisten berühmten Männer, welchen Faches immer,
oft nichts weniger als umgänglich waren und von ihrer nächsten
Umgebung eher gefürchtet denn geliebt wurden. Diese Schlacken
fallen aber dann von den historischen Bildnissen ab, und die leuch-
tenden Züge bleiben zurück, in denen das Helden-, Herrscher-,
Künstler- oder GelehrtenantHtz erstrahlt. Sonach war es durchaus
nicht ausgeschlossen, daßman einst— vorausgesetzt, daß die Mörder-
kugeln vom 28. Juni 1914 ihr Ziel nicht erreicht hätten— von einer
Großära Franz II. — so wollte er sich nennen— noch nach Jahr-
hunderten gesprochen hätte 1^)
Meine Ernennung zum Armeeinspektor erfolgte erstam 16. Dezem-
ber, also nicht gleichzeitig mit meiner Enthebungvom Ministerposten,
auf daß ihr nicht etwa der Nimbus der Gunst beigelegt würde. ,,Der
Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb ..."
Weihnachten und Neujahr verbrachten wir noch im alten Heim.
Wir waren nicht rosigster Laune; denn schließlich verhehlten wir uns
nicht, daß mein plötzlicher, unmotivierter Rücktritt die kaiserliche
Ungnade hinausposaunt hatte. Da aber in Österreich das Vorherr-
schen des persönlichen Momentes eine geheihgte Staatseinrichtung
bildete, wußte man allseits, wie man mich nunmehr zu nehmen hätte.
Um über diese imangenehmen Momente rasch hinwegzukommen, be-
schlossen wir eine Reise nach München, wo wir einige angenehme,
anregende und belehrende Wochen verbrachten.
Bald nach meiner Demission befaßte sich der Klatsch, was aber
noch böser war, es befaßten sich auch die Journale mitmeinem Sturz.
Man suchte nach Ursachen, tuschelte, munkelte, erfand. Wo so viel
Rauch war, mußte doch auch ein Feuer ghmmen. Mißgünstige Blät-
^) Auf keinen Fall wäre es für das Reich imd die Dynastie zu einem derart
schmählichen, alles je Dagewesene überbietenden Ende gekommen, als wir es
dann tatsächlich erleben mußten. Eine solche Reihe von Fehlern, wie sie dann
an den Tag traten, wäre tmter Franz Ferdinands Regiervmg gänzlich aus-
geschlossen gewesen.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918