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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich wiederhole, daß Franz Ferdinand eine der bedeutendsten Er- scheinungen war, die ich auf meinem langen I^ebensweg kennenge- lernt, imd daß er aller Voraussicht nach auch ein großer Herrscher geworden wäre. Ob ein glücklicher, sei dahingestellt. Zweifelsohne wäre aber durch ihn eine prädominante Persönlichkeit auf Habs- burgs Thron gelangt. Gewiß, er war wenig beliebt, eigentlich viel- fach verhaßt, besonders bei jenen, die unter seinen fraglos vorhan- denen unangenehmen Charaktereigenschaften zu leiden hatten. Doch darf man nicht vergessen, daß dies eigentlich mehr oder weniger nur Kleinigkeiten waren, und die Gescliichte lehrt, daß fast alle großen Herrscher, ja die meisten berühmten Männer, welchen Faches immer, oft nichts weniger als umgänglich waren und von ihrer nächsten Umgebung eher gefürchtet denn geliebt wurden. Diese Schlacken fallen aber dann von den historischen Bildnissen ab, und die leuch- tenden Züge bleiben zurück, in denen das Helden-, Herrscher-, Künstler- oder GelehrtenantHtz erstrahlt. Sonach war es durchaus nicht ausgeschlossen, daßman einst— vorausgesetzt, daß die Mörder- kugeln vom 28. Juni 1914 ihr Ziel nicht erreicht hätten— von einer Großära Franz II. — so wollte er sich nennen— noch nach Jahr- hunderten gesprochen hätte 1^) Meine Ernennung zum Armeeinspektor erfolgte erstam 16. Dezem- ber, also nicht gleichzeitig mit meiner Enthebungvom Ministerposten, auf daß ihr nicht etwa der Nimbus der Gunst beigelegt würde. ,,Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb ..." Weihnachten und Neujahr verbrachten wir noch im alten Heim. Wir waren nicht rosigster Laune; denn schließlich verhehlten wir uns nicht, daß mein plötzlicher, unmotivierter Rücktritt die kaiserliche Ungnade hinausposaunt hatte. Da aber in Österreich das Vorherr- schen des persönlichen Momentes eine geheihgte Staatseinrichtung bildete, wußte man allseits, wie man mich nunmehr zu nehmen hätte. Um über diese imangenehmen Momente rasch hinwegzukommen, be- schlossen wir eine Reise nach München, wo wir einige angenehme, anregende und belehrende Wochen verbrachten. Bald nach meiner Demission befaßte sich der Klatsch, was aber noch böser war, es befaßten sich auch die Journale mitmeinem Sturz. Man suchte nach Ursachen, tuschelte, munkelte, erfand. Wo so viel Rauch war, mußte doch auch ein Feuer ghmmen. Mißgünstige Blät- ^) Auf keinen Fall wäre es für das Reich imd die Dynastie zu einem derart schmählichen, alles je Dagewesene überbietenden Ende gekommen, als wir es dann tatsächlich erleben mußten. Eine solche Reihe von Fehlern, wie sie dann an den Tag traten, wäre tmter Franz Ferdinands Regiervmg gänzlich aus- geschlossen gewesen. . ;^;, 234
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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