Seite - 237 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Bild der Seite - 237 -
Text der Seite - 237 -
auch in diesem Punkte treu zu bleiben, führe ich bezüglich der bald
nach meiner Demission erhobenen Vorwürfe und der Verdächtigung,
die der Cziffra-Prozeß auslöste, wortgetreu einen Bericht an, den ich
später— Anfang 1917— verfaßte, damit er zur Kenntnis des jung-
regierenden Kaisers gebracht würde. Veranlassung hierzu gab der
Umstand, daß ich von wohlversierter befreundeter Seite aufmerksam
gemacht wurde, die böswillige Fama bediene sich nun auch Kaiser
Karls Obr, um mir zu schaden. Außer diesem offiziellen Berichte
erliegen eingehende Dokumente, die gleichfalls den Beweis für die
Wahrheit des Gesagten erbringen.
Der Bericht lautet:
„Bald nach meiner Demission als Minister— im Dezember 1912—
tauchten etliche in böswilliger Absicht verbreitete Gerüchte auf,
welche mich einer gewinnsüchtigen Absicht bei einem Gewehrverkauf
an Bulgarien, sowie bei einer Haferlieferung verdächtigten. X-fach
bekämpft und durch unwiderlegliche Beweise entkräftet, vernahm
ich, daß diese Gerüchte jetzt erneuert herumschwirren imd sogar
bis zur maßgebendsten Stelle gedrungen sein sollen. Ich lege daher
nochmals eine authentische Darstellung nieder:
I. ad Gewehrverkauf:
Nach Übernahme des Ministeriums im Herbst 1911 wurde ich als-
bald gewahr, daß die Reservebestände an Infanteriegewehren recht
kärglich waren. Zudem befanden sich darunter 100 000 Stück, die
im Jahre 1886 mit dem Kaliber von 11 Millimeter erzeugt, später
aber auf das Normalkaliber von 8 Millimeter umgearbeitet wurden.
Natürlich konnten diese nur als eine zur Not noch kriegsbrauchbare
Waffe angesehen werden; doch fehlten mir die Mittel, einen Ersatz
dafür zu schaffen oder die Reservevorräte zu vermehren.
Im Oktober 1912, als die ersten Entscheidungen im Kriege der
Balkanstaaten bereits gefallen waren, wurde ich von einer Oberst-
leutnantswitwe, namens Cziffra, brieflich gebeten, sie und einen
Herrn zu empfangen, der sehr wichtige, im Interesse des Staates
gelegene Mitteüungen zu machen habe. Den Besuch der Oberst-
leutnantswitwe^) lehnte ich ab, den des Begleiters, der sich dann als
Agent Brück vorstellte, akzeptierte ich, da in jener Zeit jegliche
Mitteilung von Wert sein konnte. Sie war es auch. Denn der Agent
meldete, daß er von der bulgarischen Regierung mit dem Ankauf
^) Sie entstammte einer angesehenen Gentryfamilie, mit der wir im regen
Verkehr standen zur Zeit, da ich in Raab als Brigadier stationiert war. Ihr
Gattewar ein ausgezeichneter Offizier, den ich seitlangemkannte. Nachseinem
Tode ging seine Witwe Wege, die vms nicht zusagen konnten. Dies war- auch
der Grund, daß ich sie glicht empfangen wollte.
237
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918