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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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düng und die feldmäßigen Schießübungen vornahmen. Der Eindruck, den die nordböhmischen Truppen— ganz gleich ob Tschechen oder Deutsche— hervorriefen, war sehr günstig. Das Terrain des Übungs- lagers war ideal. EigenartigmutetendarinzweiunbewohntekleineOrt- schaften an, die für Übungszwecke bestehen blieben und baulich er- halten wurden. Bei den feldmäßigen Schießübungen der Infanterie spielten sie mit ihren zerschossenen Fenstern, Mauern und Umzäu- nungen eine große Rolle. Wieviel Tausende, die dort geübt, schlafen heute den ewigen Schlaf! In diese Zeit fiel auch die häßliche Redl-Affäre. Der Oberst des Generalstabes Redl, damals Generalstabschef des VIII. Korps in Prag, vorher Souschef im Evidenzbüro des Generalstabes, wurde jahrelang betriebener Spionage für Rußland überwiesen. Da er in diesem Büro mit der Leitung der Konterspionage betraut war, so konnte er auch in dieser Hinsicht seinen Auftraggebern große Dienste leisten, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Schaden, den er durch sein verbrecherisches Treiben verursachte, ein enormer war. Anscheinend mit erstaunlicher Findigkeit fand der russische Generalstab allePunkte heraus, dieinunserenoperativenKalküls eine Rolle spielten, und garnierte sie mit Befestigungen. Dies verdankte er wohl hauptsächlich Redls Umtrieben, weniger der eigenen scharf- sinnigen Kombination. Noch betrüblicher war es aber, daß die Russen durch Oberst Redl alle die für unsere Zwecke in Rußland tätigen Konfidenten erfuhren, dieselben faßten und zu unrichtiger Bericht- erstattung zwangen. Dies mag dazu beigetragen haben, daß unser Kundschaftsdienst so schlecht funktionierte, und wir dann in kri- tischster Zeit von Überraschimg zu Überraschung taumelten. Redl wurde nach Wien gelockt und in einem Hotel zum Selbstmord ver- anlaßt. Da überdies zu gleicher Zeit auch andere Spionagen bekannt wurden, wobei der russische MÜitärattache, Oberst Zienkiewitsch, und einige unserer irregeführten jungen Offiziere (Kriegsschüler) beteiligt waren, stieg dieEmpörung sehr hoch. Der Thronfolger gab seiner Entrüstung beredten Ausdruck. Es fanden auch einige Personaländerimgen statt. Eine erneute politische Hochspannung erfüllte jene Zeit: die Herausgabe Skutaris seitens Montenegros. Am 4. Mai erschien die Situation hochkritisch. Ich glaubte persönlich zwar nicht an den Ernst der Sachlage, da ich es für ausgeschlossen hielt, daß wir uns jetzt— nach Abschluß des Balkankrieges (erster Teil)— in unabseh- bare kriegerische Verwicklungen begeben würden, nur damit Sku- tari nicht etwa an uns, sondern an das embryonale Fürstentum Al- banien falle. Diese Gewtterwolke verzog sich auch wirklich rasch. 16 Auifenberg i 241
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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