Seite - 245 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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baute ich meinen Plan auf, entwarf ihn rasch und ließ nocham selben
Abend die Dispositionen von meinem Generalstab zusammenstellen.
Der Beginn der Operationen war für 12 Uhr mittag des 14. Sep-
tember angesetzt. Ich ließ meine Kavalleriedivision sofort gegen die
linke Flügelkolonne des Gegners vorgehen, mn diese im durchschnit-
tenen Terrain durch abgesessene Eskadronen zu stellen und— nicht
locker lassend — sie vom Erreichen des Marschzieles abzuhalten.
Die vordere Kraftgruppe der Armee (das VIII. Korps und die 3. Di-
vision) hatte sich in ihren Stellungen zum Verteidigungskampf ein-
zurichten. Die rückwärtige Gruppe sollte einen starken Marsch nach
vorwärts ausführen und sich hierbei gegen den eigenen linken Armee-
flügel verschieben. Die Ausführung entsprach dem Auftrag. Der
Kavalleriedivision gelang es, die linke Flügelkolonne derart aufzu-
halten, daß schon am Abend dieses Tages die Trennung zwischen
diesem und den andern Teüen der gegnerischen Armee größer war
als bei Beginn des Vormarsches. Der herrliche Herbstnachmittag
gab den Fliegern Gelegenheit, diesen Vormarsch in allen TeÜen zu
beobachten, während bei der gegnerischen Armeeleitung der Ein-
druck erweckt wurde, daß ich mich in der erreichten vorderen Linie
zum Kampfe stellen wolle. In der Nachtvom 14. auf den 15. ließ ich
aber das vordere Korps fast bis in die Höhe von Tabor zurückmar-
schieren, wo etwa 10Uhr vormittags schon die Teten desXVII. Korps
eintreffen mußten. Die um zwei Bataillone verstärkte Kavallerie-
division hatte für diesen Tag die Aufgabe, der gegenüberbefindlichen
gegnerischen Flügelkolonne— es war die 13. Landwehrdivision —
den Anschluß an ihre Hauptkraft zu verwehren.
Alles traf nach Wunsch ein. Der Gegner, inklusive seiner Kaval-
leriedivision, prallte an die schwachen, vom VIII. Korps zurück-
gelassenenSicherungsdetachementsanund indervorgefaßtenMeinimg,
daß es hier zum Angriff kommen würde, brachte er seine Kolonnen
zu einem vorzeitigen Aufmarsch in südlicher Richtung. Dann wurde
er gewahr, daß er eigentlich keinen Feind vor sich habe. Er konnte
sich aber über meine Absichten lange nicht orientieren und verlor
einige Stunden. Erst gegen 11 Uhr setzte er seine Kolonnen wieder
zum Vormarsch in südwestlicher Richtung an. Doch schon nach
IG Uhr, sobald das XVII. Korps herangekommen war, gab ich den
Befehl, mit den vier Divisionen der beiden Korps in geschlossener
Linie, allgemeine Direktion Nordost, vorzustoßen. Der Stoß traf die
zwei Divisionen des gegnerischen IX. Korps, die sich gerade im Ab-
stieg über einen langgezogenen, sanft abfallenden Höhenrücken be-
fanden. Damit war jeder Zweifel ausgeschlossen, wem der Erfolg
zukommen würde. Zwar versuchte die gegnerische Kavalleriedivision,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918