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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich meldete mich bei Franz Ferdinand, der die Konsequenzen aus der gewordenen Situation zog und ohne Vorbehalt oder Nörgelei un- eingeschränktes Lob auf mich herniederfließen ließ. Abgetönter war die Gratulation der andern, besonders der Herren von der Kon- kurrenz, also der Armeeinspektoren, namentlich vom General der Infanterie Erzherzog Friedrich. Dagegen leuchteten die Augen jener, die an meiner ,,Wiedergenesung" ein persönliches Interesse hatten, auch bei einem oder dem andern, der mir im Herzen wohlwollte. Entzückend war die Herzogin von Hohenberg mit ihrem warm- gesprochenen Glückwunsch, und auch die Erzherzoginnen lächelten holdselig dem Arrangeur solch netten Kotülons zu. Wenngleich ich bei meiner ernsten Auffassung über die Bedeutung militärischer Manöver meine eigenen Gedanken hatte, die mir dies- mal fast ein kaustisches Lächeln abzwangen, wird man doch be- greifen, daß ich Genugtuung empfand, freudigerStimmung war und das Resultat meiner Familie telegraphisch mitteilte. Am letzten Manövertag^) fand auf Entschluß des Thronfolgers eine Übung gegen Markierung größten Stiles statt. Franz Ferdinand führte selbst eineHeeresgruppe, allerdings nur vierInfanterie- imd ein Kavalleriekorps stark, gegen einen durch zwei Divisionen markierten, in fester Stellung befindlichen Gegner. Ich befehligte die linke Flügel- armee. Dabei befand ich mich längere Zeit mit Franz Ferdinand auf dem Kapellenberg, südlich Tabor. Es war das letztemal, daß der Erzherzog in seinem Leben bei den Truppen weilte. Eine Moment- aufnahme dieses immerhin historischen Augenblickes ist in meinem Besitz. Franz Ferdinand und all jene, die der Erwartung waren, bei jener Übung ein besonders grandioses Schauspiel zu sehen, kamen nicht auf ihreRechnung. Nur natürlich. Im wechselndenTerrain, dem sich die gut ausgebildeten Truppen möglichst anzupassen bemühten, sah man stets nur Teilabschnitte des Kampffeldes und auf diesem wieder nur dünne Linien. Was sich weiter links imd rechts davon abspielte, fiel für den Beobachter meist außer Betracht. Selbst der gewollte Knalleffekt, der vom Grafen Hujm schneidig geführte Massenanfall 1) Am Vortag fand im Hauptquartier der Ubvmgsleitvmg ein heftiger per- sönlicher Zusammenstoß zwischen dem Thronfolger und Conrad von Hötzen- dorf statt. Oberst Brosch, der dem Manöver als Schiedsrichter beiwohnte, wurde ins Hauptquartier gerufen, und vomehmHch seinem Einfluß ist es zu danken, daß die Angelegenheit beigelegt wurde. Doch schon im Oktober fand eine Wiederholimg des Auftrittes statt. Merkwürdigerweise in Leipzig, gelegentlich der hundertjährigen Gedenkfeier der Völkerschlacht. Ich kenne die Details nicht, glaube aber, daß die zunehmende Reizbarkeit des Erzherzogs daran nicht ohne Schuld war. In diesem Falle mußte sogar der Kaiser persön- lich intervenieren. 247
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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