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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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leien dachte ich an— gemischte Armeen. Ich lancierte diese Idee in einem anonymen Artikel der „Zeit". In Deutschland wurde sie prompt aufgenommen und in vielen Blättern fachlich erörtert. Es gab verschiedene Ansichten, aber alle sprachen sich für die Lebens- fähigkeit meiner Idee aus und betonten die damit verbundenen großen militärischen und politischen Vorteile, denen die Entente nichts Ähnliches entgegenzusetzen gehabt hätte. Bei uns in Öster- reich war— insoweit nicht völlige Gleichgültigkeit Platz griff— das Resultat ein gegenteiliges. Man könnte sagen, selbstverständlich! Denn abgesehen davon, daß dies das Schicksal jedes neuen Gedankens bei uns war, fürchtete man auch den vorherrschenden Einfluß der Deutschen. So erhielt mein Artikel sofort einen halboffiziösen Gegen- artikel, der den Gedankengang des Belvederes (Franz Ferdinand) deutlich erkennen ließ. Damit war die Idee endgültig zu Grabe ge- tragen. Und doch, viie nützlich wäre es— ein Jahr später— für beide Teile gewesen. Auch diesmal, wie so oft: ,,Nemo propheta in patria!" Mehr Glück hatte ich mit einem zweiten Vorschlag, Ich beantragte nämlich, daß wenigstens zur theoretischen Schulung wirklich großer Verhältnisse etwas getan werden sollte, da bis nun selbst bei den theoretischen Erörterungen der obersten Funktionäre sowie des Ge- neralstabes stets nur Ideine Armeen von drei bis vier Korps als Basis der Arbeiten genommen wurden. Der Thronfolger und der Chef des Generalstabes stimmten mir zu, und Ende Februar 1914 kam ein Kriegsspiel zustande, wobei beide Gegner Streitkräfte im modernen Sinne zu verwenden hatten. Auf jeder Seite standen 5 Armeen mit zusammen 50 Divisionen. Das Kriegsspiel behandelte den Elriegs- fall: Deutschland und Österreich-Ungarn gegen Rußland. Die stra- tegische Ausgangssituation war ähnlich, wie sie dann ein Jahr später, im März und April 1915, tatsächlich eintrat. Ich führte das Oberkommando über die vereinigten österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte. Mein Gegner war Feldzeugmeister Baron Leithner. Als Armeekommandanten fungierten unter meinem Kom- mando Dankl, Giesl und Boroevic^ unter dem Kommando des Geg- ners Böhm-ErmoUi, Tersztyansky, Kirchbach u. a. Meine leitende Idee und die dementsprechende Gruppierung war von Anfang an schon weit günstiger als jene meines Gegners, des anerkannt ausgezeichneten Baron Leithner, der zu jener Zeit jedoch schon von seinem schweren Leiden angekränkelt war. Ich setzte die Schlacht als Flügelangriff im Sinne der schiefen Schlachtordnung an. Sie begann in den ersten Morgenstunden, nachdem tags zuvor die gegnerischen Vortruppen durch die meinen, die übermächtig auf- 251
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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