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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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traten, zurückgedrängt worden waren. Conrad, der eigentliche Übungsleiter, besprach die weiteren Schlachtereignisse kursorisch an der Hand der von beiden Oberkommandanten und ihren Unterfüh- rern ausgegebenen Dispositionen und kam zu dem Schlüsse, daß die Schlachtenkrisis in den ersten Nachmittagsstunden eingetreten sei und mit dem Rückzug meines Gegners endigte. Diese Anschauung über die Dauer einer modernen Schlacht erklärt vielleicht so manches an dem kaum ein halbes Jahr danach entworfenen Plane der ersten Weltkriegsoperationen. Sonst aber— dies sei hervorgehoben— war die Leitung eine durchaus sachgemäße und zeugte von großer Be- herrschung des Stoffes. Auch die technischen Leistungen der Gene- ralstabsbüros waren ausgezeichnet, so daß die Schlußbesprechung, daran sich auch der Thronfolger aktiv beteiligte, auf hohem Niveau stand. Als Teilnehmer und Zuseher waren alle hohen Generale der Monarchie geladen. Am Abend des letzten Übungstages versammelte Franz Ferdinand alle Generale zu einem großen Rout im Belvedere. An der Stelle, von der aus— 5 Jahre früher— mein Schicksal einen so entschei- denden Weg genommen hatte, sprach der Erzherzog mir erneut seine vollste Anerkennung aus. Es war das letzte längere Gespräch, in das er mich zog, und es war der letzte Empfang, denFranz Ferdi- nand im Belvedere veranstaltete. Wer hätte damals daran gedacht ? Tags darauf gab ich meinem engeren Stab ein kleines Frühstück, bei dem in Abwesenheit meiner Frau meine Tochter Erika die Hon- neurs machte. Die kleine Hausfrau war nicht wenig stolz darauf. Dieses, in seiner Art neue Kriegsspiel, zu dem sich fast alle höheren Generale der Monarchie zusammengefunden hatten, erregte all- gemeine Aufmerksamkeitund wurde auch im Ausland besprochen. In einem großen russischen Blatt wurde sogar von einem neuen, durch General Auffenberg proponierten Angriffsverfahren gegen Rußland gefaselt. Es ist übrigens nicht unmöglich, daß man dies damals dort als aktuelle Kriegsvorsorge ansah, die es aber im Wesen ganz und gar nicht war. Das sind eben unvermeidliche Nebenerscheinungen des öffentlichen Lebens, die man mit in Kauf nehmen muß.— Das gesellschaftliche Leben und Treiben war in jener Zeit ein äußerst lebhaftes, geradezu rauschendes. Soireen, Routs, Bälle und andere Veranstaltungen folgten einander. Es gab Wochen, in denen man keinen Abend in normaler häuslicher Weise- verbrachte. Wir beteüigten uns daran gerne, und auch bei uns vereinten sich die Gesellschaftskreise häufig. An die winterlichen Vergnügungen reihten sich dann die Frühlingsfeste an und die Turfereignisse mit ihrem mannigfachen gesellschaftlichen Farbenspiel. Es war, als" ob alles 252
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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