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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 253 -
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noch einmal voll Lebensdurst und Lebenswonue aufatmen wollte, bevor das große Leiden und Sterben beganni). Es mag als Don Quichoterie gelten, aber ich konnt^ es mir auch jetzt nicht versagen, an den laufenden militärischen und militär- politischen Fragen einen lebhaften, manchmal sogar einen aktiven Anteil zu nehmen. Dazu trieb mich in erster Linie meine wachsende Überzeugung, daß wir alles Mögliche tun müßten, um für die durch unsere Politik und die kontroversen Bestrebungen der Entente un- ausweichlich gewordene Waffenentscheidung gerüstet zu sein. Die Gewehr- und Haubitzenfrage beschäftigte mich fortwährend, und ich lieh dieser mir so wichtig scheinenden Angelegenheit meinen nun wieder erheblich gestiegenen Einfluß. Allerdings w'urden dann diese Bestrebungen durch die einander überstürzenden Ereignisse überholt. Gewohnheitsgemäß beobachtete ich aufmerksamst die Vorgänge in den Nachbarländern, besonders in Rußland und Serbien. Es standen mir der Hauptsache nach w^ohl nur die jedermann zugänglichen Be- helfe und Nachrichten zu Gebote, doch ergaben sich aus dem Ver- kehr mit Ausländern, den ich nochvon meiner Ministerzeit her pflegte, somanche Anhaltspunkte, die ichdannmitmeinem verehrten Freimd, Herrn von Tschirschky, besprach. All dies gewährte mir einen tiefen Einblick in das Gefahr\^olle unserer Situation, und ich erkannte das Bedrohliche der gegnerischen Vorkehrungen. Die Jahresquote von 216 Millionen Rubel, die sich z. B. das russische Kriegsministerium für „Waffenübungen- und Probemobüisierungen" bewilligen ließ, im- pressionierte mich sehr, desgleichen ein Ausrüstungskredit von 123 Millionen Dinars, der in Belgrad mit einer Gegenstimme glatt bewilligt wurde. 123 Millionen in Serbien würden beüäufig andert- halb Milliarden unsererseits entsprochen haben, wenn wir im gleichen Maße gerüstet hätten^). Da jedoch unter den damaligen Verhält- nissen ein diesbezüglicher offizieller Bericht nur die Registratur als Ziel gefvmden hätte, zog ich es vor, einen Artikel in der ,,Neuen ^) Besonders das Preisreiten, Springen und Fahren gestaltete sich zu einem ausgesprochen gesellschaftlichen Ereignis. Beim Preisreiten blieb wohl imsere traditionell gute alte Schule obenauf. Doch beim Preisspringen nahmen uns die Franzosen, namentlich aber die Italiener, alle ersten Preise weg. Sie waren uns da weit über. *) Später wurden aus dem Prozeß Suchomlinow die Daten bekannt, nach denen zu jener Zeit in den Hauptstädten der Verbandsstaaten die ernstesten Vereinbarvmgen getroffen worden waren. Auch der Dokumentenfund im ser- bischen Kloster zu Krusevac erbrachte interessante Details, daraus zu ent- nehmen war, daß just in jenen Tagen, die ich hier beschreibe, serbischerseits eine Bestellung von 400000 Gewehren telegraphisch bewirkt wurde. Dies alles beachteten aber bei tms die maßgebendsten Stellen gar nicht oder nur wenig. 253
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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