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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Freien Presse" anonym zu lancieren, unter dem Titel „Probemobi- lisierung und Ausrüstungskredite". Er wirkte aufs Publikum, ging aber dennocl^ den Weg alles Fleisches. Und vierzehn Tage später erdröhnten die Pistolenschüsse in Sarajewo . . .! In der zweiten Hälfte des Juni begann ich meine Inspizierungstour und reiste zunächst nach Reichenberg in Böhmen. Baron Liebig, der große Fabriksherr, zeigte mir dort seine Schöpfungen, die sich nicht nur auf das industrielle, sondern auch auf das pädagogische Gebiet erstreckten. Einegroßzügige, verdienstvolle Kulturarbeit, wie sie in unserm Vaterlande kaum erreicht, geschweige denn übertroffen wurde. Dann fuhr ich ins Lager von Benatek, wo ich Truppen in- spizierte. Wie hätte ich damals geahmt, daß dieselbenTruppen sechs Wochen danach zu meiner Armee in Galizien stoßen sollten. In den letzten Junitagen kehrte ich nach Wien heim, mit der Ab- sicht, meinen Sommerurlaub in Rutzing anzutreten. Um meiner Tochter den Reitsport zu erhalten, wollte ich die Pferde mit hinunter- nehmen, waggonierte sie noch rasch ein und machte, ehe ich abreiste, noch einen Abschiedsbesuch bei einer politischen Persönlichkeit. Als wir so saßen und plauderten, flog plötzlich die Nachricht vom Für- stenmord in Sarajewo atemberaubend herein. Erschüttert, hatten wir das Gefühl eines Elementarereignisses, einer Katastrophe, die auf das Schicksal jedes einzelnen den tiefgreifendsten Eindruck nehmen würde. Und es mag in der Geschichte aller Zeiten auch noch nie- mals dagewesen sein, daß der Einbruch einer furchtbaren Drang- und Qualperiode sich so theatralisch angekündigt hätte, wie in diesem Falle. Es war eine Sensation in des Wortes größter imd travuigster Bedeutung. Schon in den ersten Nachmittagsstunden war das Unglück all- überall bekannt. Überdies wurde es durch Extraausgaben publiziert. Die Nachricht wirkte niederschmetternd. Ob nun Hoffnungen ge- knickt, ob Befürchtungen zerstreut wurden, jeder hatte das Bewußt- sein, Miterleber eines ganz ungewöhnlichen tragischen Geschehnisses zu sein, das weit über die rein menschliche Bedeutimg hinaus den Auftakt zu einer endlosen Kette weiterer unergründbar tiefeinschnei- dender Ereignisse bilden würde. Es ist vielleicht müßig, rechten zu wollen, ob diese Katastrophe eintreten mußte, ob ihr nicht vorzu- beugen gewesen wäre. Die Erkenntnis, auf welcher Seite immer sie läge, würde doch an der Tatsache nichts ändern. Doch eines scheint festzustehen: die Reise des Thronfolgerpaares nach Bosnien und spe- ziell nach Sarajewo wurde ihm gegen seine Überzeugung oktroyiert. Potiorek hatte im Spätherbst 1913 mit großen politischen Schwierig- keiten zu kämpfen gehabt, die zu meistern und zu verkleistern ihm 254
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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