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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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bis zum Frühjahr 1914 gelang. Der Besuch des Thronfolgerpaares sollte nun die Krönung seines Gebäudes sein, wofür er auch in Wien manch ehrgeizigen Interpreten und Mitarchitekten gefunden haben iDochte. Franz Ferdinand ließ sich schließlich gewinnen, wohl auch dadurch verlockt, daß er bei dieser Gelegenheit die Herzogin von Hohenberg in die von ihr so sehr ersehnte dominierende Stellung bringen konnte. Vielleicht liegt letzten Endes auch darin ein Teil der tragischen Schuld. Knapp vor der Abfahrt von Chlumetz sollen den Erzherzog noch schwere Bedenken überkommen und ihn zu einer charakteristischen Äußerung veranlaßt haben, wobei er an seinen fernen Freund Brosch dachte. Die Sicherheitsvorkehrungen in Sarajewo waren wohl völlig imzu- länglich, und der deutscheBotschafter äußerte im Gespräch darüber treffend zu mir: ,,Wenn in irgendeinem Bahnhof ein Erzherzog durch einenFliegenstichverletztwürde,müßte es derStationschefunterUm- ständen sogar mitseinemPostenbüßen. Dochfür dieTreibjagd inden Straßen vonSarajewokrümmtman niemandem einHaar!" Nicht ein einziger Verantwortlicherwurde gesuchtnochgefunden. Dennmit der späteren Justifizierung derAttentäter war doch wahrlich nichtsgetan. Zweifellos machte sich nach dem Tode des Erzherzogs der Anta- gonismus erst recht geltend, der in der engsten Umgebung des Kai- sers, namentlich aber in der MÜitärkanzlei gegen ihn bestanden hatte. So kam's auch, daß die Bestattung des Erzherzogs und seiner Ge- mahlin mit einer kaum zu überbietenden Hast betrieben wurde. Am 28. Juni war derMord in Sarajewo geschehen, und schon am 3. Juli konnte die Beisetzung in Artstetten erfolgen! Ein fanatisches Be- streben herrschte, den toten Erzherzog baldmöglichst aus dem Kreis seines früheren Wirkens und, wenn erreichbar, ausdem Gedächtnisse seinerMitmenschen zu bringen. Auch die Konduktfeierlichkeiten er- folgten so übereüt, bei gänzlichem Ausschluß jedes mÜitärischen Gepränges imd mit so wenig Pietät, daß es lautes Mißfallen und Ärgernis erregte, und jener Teil des Hochadels, der dem Dahin- geschiedenen persönlich ergeben war, beinahe demonstrativ auftrat. Ob diese geschmälerte Ehrung den Wünschen der Krone entsprach, vermag ich nicht zu beurteÜen. Daß aber die obersten Hofchargen daran mitwirkten, kann wohl keinem Zweifel imterliegen. Zur Leichenfeier hatten sich erste Vertreter aller Höfe angesagt, und nur die Eile, in der man sich überstürzte, verhinderte das Er- scheinen der fremden Fürstlichkeiten. Einer unserer gewiegtesten Diplomaten bezeichnete dies als ungeheuren Fehler oder als bereits geplante kriegerische Allüre. Er argumentierte mit Berechtigimg, daß gerade in diesem hochernsten Moment eine persönliche Aus- 355
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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