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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ziel, Distanz, Schußanzahl usw.— ein. Einer der anwesenden höch- sten Generale spöttelte ein wenig über diese Pedanterie, was ich zur Veranlassung nahm, dies als mustergültig und stets nachahmenswert zu bezeichnen, da nur in dieser Weise die bei den Übungen so sehr vernachlässigte ArtÜleriewirkung zum Ausdruck gebracht werden könne. Es war mir darum zu tun, bei jeglicher Gelegenheit dring- lichst auf die leider erst während des Krieges erfolgte Erkenntnis des notwendigen engen Zusammenwirkens der Infanterie und Artil- lerie und der Bewertung der letzteren hinzuweisen. Bei herrlichstemSommerwetter reiste ich dann durchs Salzkammer- gutundPustertalnachToblach,und, Tiroldurchquerend,überdenJau- fenpaß nach Meran und Bozen. Am Wege besuchte ich das ,,Sand- wirtshaus" des Nationalhelden Andreas Hofer im Passeiertal. Um alle seine Reliquien lag noch der Glanz und Ruhm der heroischen Taten gebreitet, doch auch die Bitterkeit schwerster Enttäuschungen. „Ade, du schnöde Welt, mir werden nicht einmal die Augen naß, daß ich dich jetzt verlassen muß!" Dies waren die letzten Worte, als er ,,zu Mantua in Banden" seinen letzten Weg beschritt. In Bozen sammelten sich alle Teilnehmer der Generalsreise. Dar- unter befand sich auch Erzherzog Josef Ferdinand. Zur Ausarbei- tung und zum Vergleiche im Terrain gelangte die Annahme eines Einbruches überlegener italienischer Kräfte von West und Süd. Hierzu fuhren wir nach Spondinig und Trafoi, hochgelegene, welt- berühmte Sommerstationen, die bezeichnenderweise in jenem Jahre nur von ganz wenigen Ausländern besucht waren. Da kurz vorher junge Kameraden der Tiroler Landesschützen von einer Lawine ver- schüttet worden waren, gedachte ich ihrer mit einigen warmen Wor- ten und legte einen Kranz auf ihr frisches Grab, mitten in der gran- diosen Alpenwelt. Im Weltkriege war dann die Brigade der Landes- schützen während des letzten Schlachttages von Rawa Ruska meiner Armee zugeteÜt und focht tapfer am rechten Flügel. Doch jenes Sumpf- und Sandterrain war nicht das Element der Gebirgssöhne. Wie sehr hätte es mich dagegen befriedigt, wenn die Verhältnisse es mir ermöglicht hätten, sie in ihrem Heimatlande oder über die von ihnen so oft eräugte italienische Grenze zum Siege zu führen! Vom Ortler fuhren wir über Trafoi und Bozen in die Gegend von Fucinezum Tonalepaß, wo ein Großkampfim Gebirge erörtert wurde. Dann stiegen wir auf die PressaneUa uud übersetzten den 3000m hohen Passo Paradiso,— eine scharfe Tour, fast die größte Gebirgs- tour, die ich je absolvierte. Ich freute mich, daß sie mir in meinem 63. Lebensjahr so gut gelang. Wir versäumten uns am Tonale, so daß es Mittag war, als wir die eigentlichen Schneefelder passierten. 258
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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