Seite - 272 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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S-Patronen, reichte es weder an Portee und ballistischen Eigen-
schaften, noch an Durchschlagskraft an das russische Ordonnanz-
modell heran. Da die Ordonnanzmodelle überdies auch in den an-
deren feindlichen Heeren— Serben, Italiener, Rumänen — eine
höhere Leistungsfähigkeit als die österreichisch-ungarischen Gewehre
aufwiesen, so steigert dies nur den Wert der Leistungen unserer In-
fanterie, die sich denen der Gegner meist überlegen erwiesen. Dazu
gesellte sich noch der Übelstand, daß unsere Reservevorräte sehr ge-
ring, daher bald aufgebraucht waren.
Auch die Verhältnisse bezüglich der Munition lagen nicht sehr
günstig. Schon in der vierten Mobilisierungswoche, wo erst die ersten
großen Schlachten geschlagen waren, ergingen Mahnungen, mit der
Munition zu sparen. Sogar das Verlangen nach einer Hülsenabfuhr
wurde gestellt. Mangel an Kupfer gab die Veranlassung, da diesesMe-
tall von denseebeherrschendenEngländernnichtdurchgelassenwurde.
Die hechtgraue Felduniform bewährte sich nur wenig. Jedenfalls
war die russische Felduniform dem Terrain weit besser angepaßt und
auch sonst zweckdienlicher als unsere.
Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich im Laufe des
Krieges die Verhältnisse wesentlich besserten, was in erster Linie der
Industrie zu danken war. Sie entwickelte eine Leistungsfähigkeit,
die alle Welt, am meisten uns selbst, zum Staunen brachte.
Ein wahrhaft fürchterliches Impediment bei allen Operationen,
namentlich bei jenen kunstvollen Unternehmungen, die die 4. Armee
zu vollführen hatte, bildete der Train. Kein Fernstehender kann sich
von dessen Hypertrophie und hierdurch verursachten Schwerfällig-
keit einen Begriff machen. Gewiß, bei einem ressourcenarmen und
an brauchbaren festen Kommunikationen so notleidenden Lande ist
es immer notwendig, große Trains aus leichten, wenn auch wenig
fördernden Landesfuhren zusammenzustellen. Ob es aber nötig war,
derartige Massen aufzubieten, mag dahingestellt bleiben. Es sei nur
konstatiert, daß es eine Zeitperiode gab— Mitte September 1914—
wo auf drei Mann des Gefechtsstandes fast ein Fuhrwerk gerechnet
werden konnte. Übrigens war mit wenigen Ausnahmen die Ordnung
bei den Trains sowie bei den Landesfuhren trotzdem eine sehr große.
Die in Galizien häufig vorgenommenen Manöver dürften da eine gute
Vorschule gewesen sein. Doch auch die aus den anderen Reichs-
teilen herangezogenen Landestrains, besonders jene aus Oberungarn,
waren in gutem, viele sogar in vorzüglichem Stande und hielten eine
ganz entsprechende Disziplin. Anfänglich erzeugte wohl der Ruf:
,,Kosaken!" Panik und die meist damit verbundene allgemeine Schie-
ßerei. Später legte sich auch diese Nervosität.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918