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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 277 -
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später erfolgte der Einbrucli einer starken Kavalleriekolonne über Sokal mit der Direktion Jaworow. Er richtete aber nur geringen Schaden an und brach unter den Schlägen unserer 2. Kavallerie- truppendivision vollständig zusammen. Warum die Russen die von uns seit Dezennien so befürchtete Maßnahme des vorzeitigen Ein- bruches, zwecks Störung der Mobilisierung und des Aufmarsches, unterließen, wurde bis jetzt noch nicht ergründet. Es ist um so weniger zu verstehen, als sie sonst alle Vorbereitungen dazu getroffen hatten, in erster Linie die Unterwühlung der Bevölkerung^). Wir mußten dartmter sehr leiden. Wo immer wir fochten, waren wir im Feindesland, von Verrat und Spionage umlauert. Durch Vermeidung der Raids konnten die Russen allerdings ihre Kavallerie sorgfältigst schonen, im Gegensatz zu uns, davon ich noch später erzählen will. Anderseits ließen sie dadurch große Erfolge aus der Hand, die bei ihrer bedeutenden Überzahl an Kavallerie leicht zu erreichen gewesen wären. Die Wahl des Aufmarschraumes trug, meiner Anschauung nach, den Verhältnissen, wie sie sich einmal gestaltet hatten, vollauf Rech- nung. Wollte oder durfte man aus irgendwelchen politischen Grün- den die Abrechnung mit Serbien nicht vertagen, konnte man dem- nach nur einen Teil der Hauptkraft im Norden verwenden, so blieb wohl nichts anderes übrig, als— allen bisherigen Vorbereitungen ent- gegen— den Aufmarschraum zurück, also an den San zu verlegen. Ob man in dem Momente, als der gewiß schwere Entschluß gefaßt worden war, schon von der frühen Kriegsbereitschaft Rußlands Kenntnis gehabt hatte, ist mir nicht bekannt, doch glaube ich, es verneinen zu können, da sich dies weder mit den später erfolgten Mit- teilungen, noch mit den Maßnahmen des Armeeoberkommandos in Übereinstimmung bringen läßt. Man gab also bewußt und geplant Ostgalizien auf, um den Aufmarsch vollkommen gesichert zu bewir- ken, eventuell im gewählten Räume zu verweilen. Ja, selbst einen Defensivkampf hätte man unternehmen können, um das Nachrücken der vom südlichen Kriegsschauplatz allmählich eintreffenden Ver- stärkungen abzuwarten und dann, mit ihnen vereint, in dieOffensive zu treten. Diese operative Idee wäre nur zu billigen gewesen, doch hätte man dann auch konsequent dabei bleiben müssen und all jene technischen Vorkehrungen treffen sollen, die ein rasches Vorbrechen 1) Durch einen bekannten ruthenischen Abgeordneten verschaffte ich niir gleich bei Kriegsbeginn ein Verzeichnis aller russophilen Ortschaften. Danach ließ ich eine Karte anlegen, darauf alle diese Orte bezeichnet waren. Der Weg, den die eingebrochene russischeKavallerietruppendivision nahm, ging in einer Bogenzone darüber hin. Ein Zeichen der genauen Evidenz und verständnis- vollen Verwertung des Aufwieglungsresultates. 277
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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