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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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schicklichkeit der Kosaken. Gleichzeitig wurden schon jetzt die hef- tigstenKlagenüberPackung,AusrüstungundAdjustierung derKaval- lerie laut. Versäumnisse auf allen Linien! Um die gesunkene Stim- mung zu heben, eiließ ich einen Armeebefehl, darin ich das Verhalten der Truppen lobte, deren Moral ja tatsächlich in keiner Weise ge- litten hatte. Mündlich befahl ich, daß die Division sich ein bis zwei Tage retabliere, dann aber die Aufgabe wieder aufzunehmen habe. Am i6. Augustkam eine Deputation der Stadt Radymno,um mich der Loyalität der Einwohner zu versichern. Es war natürlich Heuche- leiund nur die Folge einer scharfen Rüge, die ich an etliche staatliche und kirchliche Ortsfunktionäre hatte ergehen lassen. Ihr Verhalten, besonders das des amtsführenden Postbeamten und des griechisch- katholischen Kaplans, war im höchsten Grade anstößig gewesen, und wieder ein deutlicher Beweis der gewaltigen russophilen Propa- ganda. Großzügig in den Mitteln und Zielen, übertrafen die Resultate alle Befürchtungen auf der eigenen, vielleicht sogar die Erwartungen auf der anderen Seite. Alle Gesellschaftsschichten waren infiziert, und es wirkt geradezu packend, wenn man erfährt, daß schon am ersten Mobilisierungstag hohe staatliche Funktionäre teils flüchtig wurden, teils verhaftet werden mußten. Bald darauf folgte am Kriegsschau- platz und im Hinterland eine Razzia. Doch nicht immer konnte man derSchuldigsten habhaft werden, und zweifelsohne fielenauchmanche zum Opfer, deren Schuld nicht so tief erwiesen war. ,,C'est la guerre!" Was aber ,,la guerre" nicht entschuldigte, war unser famoses poli- tisches System, das zu solchen Konsequenzen führen mußte. Nicht ohne Ursache hatten einst die Ruthenen die Tiroler des Ostens ge- heißen, und es hatte der Dezennien langen Tyrannei der Polen, viel- mehr ihrer Schlachta bedurft, um aus diesem armen, gutmütigen Volk Revolutionäre zu machen. Die Allpolen waren es auch gewesen, welche die nach Fortschritt strebende, doch sonst staatsgetreue ukrainische Fraktion bis aufs Messer verfolgtund deren Antagonisten, die Russophilen, möglichst gefördert hatten. Und letzten Endes— hatte man denn die Folgen der russischen Geldinvasion nicht ge- sehen? Hatte man wirklich nicht gemerkt, daß sich in jedem ru- thenisch-russophilen Nest griechisch-orientalische Dome aufbauten, während in den katholischen Nachbarorten ärmliche Holzkirchlein die Gläubigen oft nur mittels Holzklöppels zur Andacht riefen? Warum hatte man nicht gefragt, wer das Geld für diese festlichen Gottes- häuser mit ihrer imposanten Einrichtung gegeben! Durfte man sich dann wundern, wenn nach Dezennien einer solchen staatlichen Wirt- schaft alles drunter und drüber ging? Nein! Man mußte vielmehr 281
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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