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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 283 -
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besichtigung. Ich gewann vom bosnisch-herzegowinischen Infanterie- regiment Nr. I und vom ii. Honvedregiment den besten Eindruck, desgleichen von zwei Kanonenregimentern. Auch machten sich be- reits Anzeichen geltend, daß der Kavalleriekampf bei Tomaszow einen günstigen Verlauf nehmen werde, was tags darauf seine Be- stätigungfand. DarobnatürlichfreudigeStimmungimHauptquartier. Als wir plaudernd beim Souper beisammensaßen, wurde die Braut eines OberJägers des 12. Jägerbataillons gemeldet, die— aus Inns- bruck kommend— um alles in der Welt bat, man möchte ihr die Heirat gestatten. Nach Verifizierung des Sachverhaltes erteilte ich die Erlaubnis, und eine sofort eingeleiteteKollekte erbrachte ein paar hundert Kronen, die wir als Hochzeitsangebinde überreichten. Fol- genden Tages heiratete das Paar, und vier Wochen später war die Arme wieder Witwe. „C'est la guerre!" Einschneidend in jedes ein- zelne Menschenschicksal, und doch nicht auszurotten, alt wie das Menschengeschlecht selbst. . . . Am 20. fuhr ich nach Przemysl,umdem mittlerweile eingetroffenen Armeeoberkommando meineAufwartung zumachen. Ich fand übelste Stimmung vor, besonders beim Chef des Generalstabes. Er erzählte mir, daß von unten trübe Nachrichten gekommen seien, daß Potiorek Wolken schiebe und nicht vorwärts komme. Über die Verbündeten erging sich . Conrad in harten Ausdrücken. Ich meinte im Innern, daß man auf das Ausspringen Italiens und Rumäniens doch mit Sicherheit gerechnet haben mußte. Auch der Umstand, daß die Deut- schen anfänglich nicht viel Truppen gegen Rußland stellten, sondern trachteten, sobald als möglich im Westen fertig zu werden, war doch gewiß in den militärischen Abmachungen vereinbart worden. Und da sich die Engländerund Belgier in einer Weise mit engagiert hatten, die weit über das Maß dessen ging, was man im imgünstigsten Falle erwartet hatte, so konnte man's den Deutschen um so weniger ver- argen, wenn sie alles daran setzten,um rasch zu einem durchschlagen- den Erfolg zu kommen. Uns mußte aber die Zwiespältigkeit des Auf- marsches teuer zu stehen kommen. Zwei Hasen nachlaufen ist ein Kunststück, das selbst einem genialen Feldherrn nicht gelingen würde. Über seine operativen Ideen sagte mir Conrad nichts, auch nichts Wesentliches über den Gegner. Vielleicht wußte er selber noch nicht viel. Ich bat ihn, mit den Operationen nicht vor Fertigstellung des gesamten Aufmarsches zu beginnen, was er versprach, ohne es dann halten zu können. Das Gesicht des Erzherzogs-Oberkommandanten war sorgenvoll verfaltet, und völlig ächzend erzählte er mir die aus Serbien einge- laufene Hiobspost. 28^,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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