Seite - 300 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Bataillonen besteht, sondern die 13. Kosakendivision ist^). Kein sehr
erfreuliches Zeichen der Aufklärungstätigkeit unserer Kavallerie.
Doch dieses Vorkommnis regt mich nicht sehr auf, ja ich freue mich
sogar, daß es doch nur eine Kosakendivision ist. Schlagkraft daher
beschränkt. Acht Bataillone wären böser gewesen. Habe sie als die
Vorhut eines starken Heereskörpers gedeutet, der aus Osten vor-
rückt. Mittag kommt vom VI. Korps die Meldung, daß beide Di-
visionen des rechten Flügels (27. und 15.) vor einem überlegenen An-
griff zurückgehen müssen. Um i Uhr wird Meldung ergänzt, daß die
Truppen fluchtartig zurückfluten. 15. Infanterietruppendivision soll
vollkommen gefechtsunfähig sein. ..."
So unangenehm und schwerwiegend diese Nachricht auch war,
niederdrückend wirkte sie sichtlich nicht. Speziell in mein Tagebuch
setzte ich danach nur ein: ,,Ich beschließe auszuharren und auf das
Eingreifen der 19. Division und des Erzherzogs (Josef Ferdinand)
zu warten."
Mitteilungen, die ich einundeinhalb Jahre später erhielt, ließen
mich erkennen, daß am Morgen des 28. August auch die 27. Infan-
terietruppendivision in eine höchst prekäre Situation geraten war.
In der Nacht gab's einen blinden Alarm, dei; zu einer Ungeheuern
Konfusion und zu schweren Verlusten führte. Zum Glück brachte
der brave Oberstbrigadier von Sterz starke Teile der Division selbst-
tätig auf die Pawlowkahöhe. Sie kamen gerade zurecht, um den
schon von Süden kommenden Angriff einer russischen Division ab-
zuwehren und so die Situation bis zum Eingreifen der 19. Infanterie-
truppendivision zu retten. Jedenfalls eine verdienstvolle Tat.
Anscheinend machte sich auch bald ein Umschwung geltend, denn
es wurde gemeldet, daß die Divisionen des VI. Korps wieder vor-
geführt werden und daß Erzherzog Josef Ferdinand eingegriffen
habe. Laute Hurrarufe der sich eben trennenden Tischgesellschaft.
Leider war der Jubel voreilig. Schon um 3 Uhr nachmittags wurde
wieder der Rückzug der Mitte und des rechten Flügels des VI. Korps
gemeldet. Auch das IX. Korps, dem sich der Gegner auf den Höhen
von Komarow wieder gestellt hatte und der dort fest und tief ein-
gegraben lag, kam nicht vorwärts. Ein von Generalmajor Gößmann
durchgeführter Angriff wurde abgeschlagen und bis in die Gegend
von Krasnobrod verfolgt. Dadurch gelangte die Straße Tomaszöw
Zamosc wieder voll in Besitz des Gegners. Dabei ging auch das
Kanonenregiment dieser Division (26. Landwehr-Infanterietruppen-
' ^) Später ersahman auch aus den GeschützprojektilengröIBerenKalibers, die
man fand, daß es eine Kosakendivision war. Die Kosakendivisionen waren
nämlich mit älteren Geschützen, jedoch stärkeren Kalibers, ausgerüstet.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918