Seite - 307 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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hatte. Doch ich wollte in die nun einmal gegebene Detaildisposition
nicht eingreifen und beließ die getroffene Verfügung.
XIV. Korps meldete, daß es dispositionsgemäß angriffsweise vor-
gehe und Terrain gewinne— allerdings unter harten Verlusten, na-
mentlich bei der 41. ungarischenLandwehr-Infanterietruppendivision.
Tags vorher hatte die 3. Division bei Wassilow schwer gekämpft,
doch einen vollen Erfolg errungen. Dabei hatte sich das 2. Regiment
der Tiroler Kaiser]äger besonders hervorgetanund russische Batterien
genommen, desgleichen das i. Regiment der 8. Infanterietruppen-
division. Dieses hatte schon Tags zuvor eine russische Artillerielinie
(16 Geschütze) erobert. Nachdem der Sturm geglückt und die feind-
liche Position besetzt war, hatten sich die biederen Tiroler spontan
auf die Knie geworfen und mit abgenommenen Mützen die Volks-
hymne und das Andreas-Hofer-Lied gesungen. Konnte es einen spre-
chenderen Beweis für den Geist solcherRegimenter geben, und klingt
es da nicht frevlerisch, wenn man auf die alte Armee das Wort
,, Kadavergehorsam" anwendet? Wird solch selbstlose Heldentreue
noch jemals erzogen werden?
Tagebuch: ,,Abends wird eingroßerTruppGefangener avisiert. Ich
besichtige sie. Auf 200 Schritt kann man sie vom Erdboden kaum
mehr unterscheiden. So ausgezeichnet paßt sich die Farbe ihrer
Kleidung dem Terrain an. Im allgemeinen sympathische Leute.
Etliche sprechen deutsch. Sie bitten fortwährend um Essen und
Zigaretten. Ich rede mit mehreren gefangenen Offizieren, die ab-
seits stehen. Machen günstigen Eindruck. Einer spricht fließend
deutsch, schildert die Greuel der Schlacht, sagt zum Schluß: ,Und
dies alles— wozu?' Ich antworte: ,Bei Ihnen ist die Frage berech-
tigt. Doch wir kämpfen einfach um unseren Bestand. Verteidigen
nur unseren Herd!' Auf dem Heimweg begegne ich Verwundeten-
transport. Einem Honvedinfanteristen vom 16. Regiment ist die
Kugel quer über das Gesicht gestrichen. Beide Augen sind verloren.
Ich drücke dem armen, regungslos daliegenden Mann die Hand,
suche nach Trostesworten. Er sagt kurz und treuherzig: ,Hazä
ert! (Fürs Vaterland!)' Ich bin tiefbewegt. . ."
Von allen Gefechtsgruppen liefen Meldungen ein, daß die Russen
allseits in befestigten Stellungen stünden, die an manchen Stellen
etagenförmig angelegt, den Charakter provisorischer Befestigungen
trugen. Wir fanden dafür keine Erklärung, daim Beginn der Schlacht
die Kämpfe doch ausschließlich als Renkontre aufgetreten waren.
Die Russen besaßen wohl eine außerordentliche Geschicklichkeit und
Übung im Aufwerfen flüchtiger und feldmäßiger Verstärkungen,
doch eine derartige Schnelligkeit wäre Zauberei gewesen. Später
so* 307
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918