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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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hatte. Doch ich wollte in die nun einmal gegebene Detaildisposition nicht eingreifen und beließ die getroffene Verfügung. XIV. Korps meldete, daß es dispositionsgemäß angriffsweise vor- gehe und Terrain gewinne— allerdings unter harten Verlusten, na- mentlich bei der 41. ungarischenLandwehr-Infanterietruppendivision. Tags vorher hatte die 3. Division bei Wassilow schwer gekämpft, doch einen vollen Erfolg errungen. Dabei hatte sich das 2. Regiment der Tiroler Kaiser]äger besonders hervorgetanund russische Batterien genommen, desgleichen das i. Regiment der 8. Infanterietruppen- division. Dieses hatte schon Tags zuvor eine russische Artillerielinie (16 Geschütze) erobert. Nachdem der Sturm geglückt und die feind- liche Position besetzt war, hatten sich die biederen Tiroler spontan auf die Knie geworfen und mit abgenommenen Mützen die Volks- hymne und das Andreas-Hofer-Lied gesungen. Konnte es einen spre- chenderen Beweis für den Geist solcherRegimenter geben, und klingt es da nicht frevlerisch, wenn man auf die alte Armee das Wort ,, Kadavergehorsam" anwendet? Wird solch selbstlose Heldentreue noch jemals erzogen werden? Tagebuch: ,,Abends wird eingroßerTruppGefangener avisiert. Ich besichtige sie. Auf 200 Schritt kann man sie vom Erdboden kaum mehr unterscheiden. So ausgezeichnet paßt sich die Farbe ihrer Kleidung dem Terrain an. Im allgemeinen sympathische Leute. Etliche sprechen deutsch. Sie bitten fortwährend um Essen und Zigaretten. Ich rede mit mehreren gefangenen Offizieren, die ab- seits stehen. Machen günstigen Eindruck. Einer spricht fließend deutsch, schildert die Greuel der Schlacht, sagt zum Schluß: ,Und dies alles— wozu?' Ich antworte: ,Bei Ihnen ist die Frage berech- tigt. Doch wir kämpfen einfach um unseren Bestand. Verteidigen nur unseren Herd!' Auf dem Heimweg begegne ich Verwundeten- transport. Einem Honvedinfanteristen vom 16. Regiment ist die Kugel quer über das Gesicht gestrichen. Beide Augen sind verloren. Ich drücke dem armen, regungslos daliegenden Mann die Hand, suche nach Trostesworten. Er sagt kurz und treuherzig: ,Hazä ert! (Fürs Vaterland!)' Ich bin tiefbewegt. . ." Von allen Gefechtsgruppen liefen Meldungen ein, daß die Russen allseits in befestigten Stellungen stünden, die an manchen Stellen etagenförmig angelegt, den Charakter provisorischer Befestigungen trugen. Wir fanden dafür keine Erklärung, daim Beginn der Schlacht die Kämpfe doch ausschließlich als Renkontre aufgetreten waren. Die Russen besaßen wohl eine außerordentliche Geschicklichkeit und Übung im Aufwerfen flüchtiger und feldmäßiger Verstärkungen, doch eine derartige Schnelligkeit wäre Zauberei gewesen. Später so* 307
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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