Seite - 310 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Es sei erwähnt, daß sich die Nachricht des Armeeoberkommandos
vom Heranmarsch einer Division gegen den Rücken des XIV. Korps
als eine vom Gegner beabsichtigte Fälschung erwies. Solche kamen
wiederholt vor. Urheber waren kleine Grundbesitzer, Lehrer usw.,
doch auchGendarmen. Sie wurden gefaßt, soweit Zeit undUmstände
dies ermöglichten. Diese Falsifikate, ein Teil des groß und geschickt
angelegten russischen Spionagesystems, brachten uns namentlich
im Anfang erhebliche Nachteile. Zum mindesten verursachten sie
Störungen und nervenspannende Erregungen. Die erwähnte Nach-
richt wurde naturgemäß am meisten beim XIV. Korps empfunden,
das bei Rückenbedrohung aus südöstlicher Richtung am schwersten
gefährdet gewesen wäre. Tatsächlich war dies auch die Ursache,
daß seitens des Korps eine Reihe von Detailverfügungen getroffen
wurden, wodurch große Teile desKorpsvon ihrereigentlichenAufgabe
abgezogen wurden, was inSumma eine ganz wesentliche Störung ver-
ursachte. Merkwürdigerweise bildete dann auch am andern Flügel
der Schlachtfront die ganz unrichtige Meldung von dem Anmarsch
dreier feindlicher Bataillone einen der Gründe für das den Schluß-
effekt so störende Abschwenken der Gruppe des Erzherzogs Peter
Ferdinand, von dem gleich gesprochen werden wird. Das sind eben
die Imponderabilien, die im Kriege oft eine so tiefgehende Bedeutung
erlangen können. Am Nachmittag brachte mir ein zufällig eintreffen-
der Spezialkurier Briefe meiner Frau und Tochter, sowie von Wiener
Bekannten. Man gratulierte mir zum Sieg von Krasnik. Später
erfuhr ich, daß man mir in-Wien diesen Sieg vielfach imputiert hatte.
Es traf nicht zu, war aber vielleicht doch ein Zeichen, daß die Bevölke-
rung mir vom Anfang an Zutrauen entgegenbrachte.
Die Abendsituation ließ erkennen, daß der feindliche Durchbruch
zwischen dem VI. und XI. Korps fast geglückt sei, und daß die 26.
Landwehr-Infanterietruppendivision wieder bis Krasnobrod zurück-
gegangen war. Die brave Division hatte während ihres Angriffes
zunächst an dem Hügel, darauf Tarnawatka liegt, ein vollkommen
glacisartigesAngriffsterrain gefunden, das man spätermitSchrapnells
und Infanteriegeschossen buchstäblich besät sah. Der hierauf
geführte feindliche Gegenstoß brachte dem Gegner jedoch keinen
taktischen Vorteil, da er nach furchtbaren Verlusten doch vor Krasno-
brod zum Stehen kam. Das Netz, das um den Kopf des Gegners ge-
worfen worden war, konnte eben nicht mehr zerrissen werden. Aller-
dings, gar zu rosig sah die Situation an jenem Abend noch nicht aus.
Nichtsdestoweniger ordnete ich für den nächsten Tag die Wieder-
holung des allgemeinen Angriffes an. Um 5 Uhr früh sollte auf der
ganzen riesigenSchlachtlinie die Angriffsbewegung angetreten werden.
TIC
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918