Seite - 357 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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bestimmt, daß am südlichen Flügel der Kampf im allgemeinen wohl
vorwärtsgetragen wird, aber nur in bescheidenem Maße, und daß
der wichtige Ort Janow (vor der Front der 3. Armee) noch immer
im Besitze des Feindes ist." (Es war bezeichnend, daß die 2. Armee,
von deren Eingreifenman dann so viel Wesens machte, erstam Nach-
mittag des II.September jene Linie erreichte, in die sie laut Dis-
position des Armeeoberkommandos schon am 8. abends hätte ge-
langen sollen!)
,,Diese Nachricht ist höchst betrübend. Daraus ergibt sich kurz
und bündig, daß die enormen Opfer, die die 4. Armee gebracht hat,
vergeblich sind. Vergeblich das anbefohlene Abschwenken von Ko-
marow und die hierdurch bedingte Loslösung vom Gegner, den wir
nicht verfolgen durften, vergeblich die so furchtbar schwierige Ope-
ration des nochmaligen Einschwenkens gegen Osten, sowie der sechs-
tägige Kampf gegen die fast doppelte feindliche Übermacht. Und
diese drückende Erkenntnis wird obendrein nicht erleichtert durch
Erwägungen über eventuellen Rückzug. Wir sprechen dann noch
über die sichtliche Superiorität der russischen Artillerie, die der Erz-
herzog ohne weiteres zugibt und die Bemerkung macht: ,Ich hab's
ja stets gesagt!' Während wir noch im Gespräche sind, trifft vom
Armeeoberkommando Weisung ein, den Kampf abzubrechen und
Rückzug in der Nacht vom 11. auf den 12. September anzutreten.
Mitteilung kommt zuerst telephonisch, dann schriftlich."
Bei der großen Wichtigkeit, die diese Disposition für den weiteren
Verlauf des ganzen Krieges nahm, scheint es mir zweckdienlich, sie
in Beüage 9 vollinhaltlich wiederzugeben. Es dürfte auch nicht un- Beilage 9
interessant sein, das offizielle Communique dem Wortlaut nach zu
hören, das unser Generalstab über die fünftägige Schlacht bei Lem-
berg am 12. September ausgab.
,,In der Schlacht bei Lemberg gelang es unseren an und südlich
der Grodeker Chaussee angesetzten Streitkräften, den Feind nach
fünftägigem hartem Ringen zurückzudrängen, an 10 000 Gefangene
zu machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Dieser Erfolg
konnte jedoch nicht voll ausgenützt werden, da unser Nordflügel
bei Rawa Ruska von großer Übermacht bedroht ist und überdies
neue russische Kräfte sowohl gegen die Armee Dankl, als auch im
Raum zwischen dieser Armee und dem Schlachtfeld von Lemberg
vordrangen. Angesichts der sehr bedeutenden Überlegenheit des
Feindeswar es geboten, unsere schon seit dreiWochenununterbrochen
heldenmütig kämpfendenArmeen in einem guten Abschnitt zu ver-
sammeln und für weitere Operationen bereitzustellen."
Der Chef des Generalstabes Baron Conrad äußerte überdies be-
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918