Seite - 390 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ausgefallen wäre. Aber freilich, 43 Jahre Dienst, mit Lehrjahren
51 Jahre militärischer Disziplin, hemmen jeden Widerstand im
Keime. Selbst wenn er noch so berechtigt ist. Hätte auch in aller-
erster Stunde erfolgen müssen.— Jetzt eben schon zu spät. Bitter-
böse Nacht."
,,30. September. Zeitlich früh schreibe ich an den Chef des General-
stabes, daß ich im Interesse der Sache und meiner Person vorerst—
auch vor der Öffentlichkeit— auf die Duperie mit meiner Erkrankung
eingehe. Kriegspressequartiermöge die nötigen Arrangements treffen,
damit man wirklich daran glaubt. Sende den Brief sofort per Auto
an Conrad. Schon um 11 Uhr trifft Antwort ein. Herzlich. Tut
mir wohl. Exkulpiert sich. Preist mein Schicksal im Vergleich zu
seinem. (!!!) Stets sentimental und weltschmerzlich. Hat halt eben
seinen Sohn verloren. Aber schließlich, wenn Conrad Gegenvorstel-
lung gemacht hätte, wäre Intrige gegen mich gewiß zunichte ge-
worden. Allerdings dürfte er jetzt nach mißglücktem Operationsplan
kein großes Machtwort haben. Nur muß man sich fragen, wieso
Friedrich, der für seine Niederlage verantwortliche Feldherr, dazu
kam, die Geistesblitze, die seinem Haupte entsprangen, in solche
Taten umzusetzen?! Übrigens gehören sentimentale Briefe zu Con-
rads Hausmitteln. In diesem Falle ist aber vielleicht wirklich alles
aufrichtig empfunden ! '
,,Mein großer Stab zeigt ehrliche Entrüstung. So scheint es wenig-
stens."
,,Ob ich recht tue, so blind zu gehorchen, muß ich mich immer
wieder fragen. Ich bin zu tiefst überzeugt, daß ich mich im Dienste,
speziell im operativen Dienste, als Armeeführer selbst zum Ungehor-
sam aufraffen könnte, wenn meine Erkenntnis damit eine große
Sache gefördert sähe. In eigener Angelegenheit vermag ich's aber
nicht. Auf den Tisch hauen! Wie wirksam wäre dies manchmal
bei uns. Doch mit 62 Jahren werde ich mich nicht mehr ändern."
,,Nachmittag kommt— welche Ironie— eine große Sendung von
zu Hause. Winterkleider, Kälteschutzmittel aller Art. Ich ver-
schenke sie sofort. Bei meinen Spaziergängen am Wiener Pflaster
werde ich sie kaum brauchen!"
,,Am Abend kommt Soos zu mir. Tut gebrochen. Auch in eigener
Angelegenheit. Mit dem Herzog fällt der Mantel. Nicht schuldlos
sind alle jene, die manche Dinge in Umlauf gesetzt, welche vielen
Feinden vortreffliche Handhaben geboten haben. Tratscherei! Ist
vielleicht gar nicht in böser Absicht, wohl aber im eitlen Bestreben
geschehen, stets Neues und Interessantes zu erzählen. Soos weiß
jetzt auch über allerlei Anzeichen zu berichten, die er in allerletzter
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918