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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ausgefallen wäre. Aber freilich, 43 Jahre Dienst, mit Lehrjahren 51 Jahre militärischer Disziplin, hemmen jeden Widerstand im Keime. Selbst wenn er noch so berechtigt ist. Hätte auch in aller- erster Stunde erfolgen müssen.— Jetzt eben schon zu spät. Bitter- böse Nacht." ,,30. September. Zeitlich früh schreibe ich an den Chef des General- stabes, daß ich im Interesse der Sache und meiner Person vorerst— auch vor der Öffentlichkeit— auf die Duperie mit meiner Erkrankung eingehe. Kriegspressequartiermöge die nötigen Arrangements treffen, damit man wirklich daran glaubt. Sende den Brief sofort per Auto an Conrad. Schon um 11 Uhr trifft Antwort ein. Herzlich. Tut mir wohl. Exkulpiert sich. Preist mein Schicksal im Vergleich zu seinem. (!!!) Stets sentimental und weltschmerzlich. Hat halt eben seinen Sohn verloren. Aber schließlich, wenn Conrad Gegenvorstel- lung gemacht hätte, wäre Intrige gegen mich gewiß zunichte ge- worden. Allerdings dürfte er jetzt nach mißglücktem Operationsplan kein großes Machtwort haben. Nur muß man sich fragen, wieso Friedrich, der für seine Niederlage verantwortliche Feldherr, dazu kam, die Geistesblitze, die seinem Haupte entsprangen, in solche Taten umzusetzen?! Übrigens gehören sentimentale Briefe zu Con- rads Hausmitteln. In diesem Falle ist aber vielleicht wirklich alles aufrichtig empfunden ! ' ,,Mein großer Stab zeigt ehrliche Entrüstung. So scheint es wenig- stens." ,,Ob ich recht tue, so blind zu gehorchen, muß ich mich immer wieder fragen. Ich bin zu tiefst überzeugt, daß ich mich im Dienste, speziell im operativen Dienste, als Armeeführer selbst zum Ungehor- sam aufraffen könnte, wenn meine Erkenntnis damit eine große Sache gefördert sähe. In eigener Angelegenheit vermag ich's aber nicht. Auf den Tisch hauen! Wie wirksam wäre dies manchmal bei uns. Doch mit 62 Jahren werde ich mich nicht mehr ändern." ,,Nachmittag kommt— welche Ironie— eine große Sendung von zu Hause. Winterkleider, Kälteschutzmittel aller Art. Ich ver- schenke sie sofort. Bei meinen Spaziergängen am Wiener Pflaster werde ich sie kaum brauchen!" ,,Am Abend kommt Soos zu mir. Tut gebrochen. Auch in eigener Angelegenheit. Mit dem Herzog fällt der Mantel. Nicht schuldlos sind alle jene, die manche Dinge in Umlauf gesetzt, welche vielen Feinden vortreffliche Handhaben geboten haben. Tratscherei! Ist vielleicht gar nicht in böser Absicht, wohl aber im eitlen Bestreben geschehen, stets Neues und Interessantes zu erzählen. Soos weiß jetzt auch über allerlei Anzeichen zu berichten, die er in allerletzter 390
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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