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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 392 -
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Ich muß wahrheitsgetreu berichten, daß Erzherzog Josef Ferdi- nand mir seine aufrichtig scheinende Freundschaft im Gegensatz zu allen anderen Mitgliedern des Herrscherhauses erhielt und wieder- holt auch bewies. Auch muß ich entschieden erklären, daß er von allen jenen Mitgliedern derjenige war, der vielleicht das intensivste Volksempfinden und ein wirklich warmes Gefühl für das Volk hegte, dem er auch in seinem ganzen Gehaben am nächsten stand. An seinem späteren schweren Kriegsmißgeschick hatten vielleicht letzten Endes andere mehr Schuld als er selbst. ,,Dann noch ein kurzes Mahl, und umringt von allenOffizieren des Stabes verlasse ich im Auto die Stätte meines Wirkens. ..." Eine bei den Herren des Stabes spontan eingeleitete Sammlung für ein mir zu widmendes Erinnerungszeichen brachte die Summe von 6000 Kr. Es fand sich aber sofort eine opportunistische Stimme, die darauf hinwies, daß dergleichen ,,oben" verschnupfen könnte. So wurde die Sammlung gleich zurückgeleitet. Gewiß, die Summe war übertrieben. Ein Zwanzigstel hätte genügt, um mir Freude zu bereiten. Doch— Opportunismus galt bei uns als Triebfeder der meisten und namentlich , .edelsten" Handlungen! Um mir den Abschied recht schwer zu machen, hatte die Natur ihr Feiertagsgewand angelegtund zeigte sich im schillerndenSchmuck eines galizischen Herbsttages. Daher herrliche Fahrt auf staubfreier Straße entlang der biwakierenden Regimenter der 15. Infanterie- truppendivision und etlicher Kavallerietruppendivisionen. Alles wie- der in voller Ordnung und durch das Einstellen der 2. Marschbatail- lone und Marscheskadron^ wieder retabliert. Dies gab mir das be- ruhigende und erhebende Gefühl, daß ich nach all den furchtbaren Anforderungen und schier unglaublichen Leistungen die Armee in vollkommen operationsbereitem Zustand übergeben hatte. Anderer- seits wuchs in mir aber auch tiefste Erbitterung mit der Erkenntnis empor, daß meine Amovierung offensichtlich ohne den geringsten positiven oder sachlichen Grund veranlaßt worden war. Von jeglichem persönlichen Empfinden abgesehen, lag in jener Konstatierung der Bereitschaft der Truppen auch ein streng mathe- matischer Beweis der Grundlosigkeit jener oberkommandantlichen Verfügung. Wenn man das erzherzogliche Schreiben aller Floskeln entkleidete, so blieb gewissermaßen als Vorwurf übrig : a) der Zustand derArmee, b) meine physische und seelische Verfassung. ad a) Der wirkliche Zustand der Truppen gab den besten Gegen- beweis, der sich später zu kristallener Klarheit durch die Tatsache verdichtete, daß bei der unmittelbar folgenden Offensive die Truppen 392
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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