Seite - 393 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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der 4. Armee mindestens die gleiche Leistungsfähigkeit bewiesen, wie
jene aller anderen Armeen, für die die Verhältnisse des Rückzuges
vergleichsweise geradezu kinderleicht gewesen waren,
Oder wollte man vielleicht glauben machen, daß die Retablierung
meiner Armee schon auf das Konto meines Nachfolgers, des Erzher-
zogs Josef Ferdinand, zu buchen sei? Ich konzediere gern, daß ein
illustrer Name bei uns einen großen Einfluß auszuüben vermochte.
Doch so groß dürfte selbst solch ein Zauber nicht gewesen sein, daß
der vorausgeworfene Schatten allein schon genügte, aus einer des-
organisierten Armee wieder eine schlagkräftige zu schaffen. Als die
Armee zur zweiten Offensive antrat, was eigentlich schon am folgen-
den Tage der Fall war, wußten die Truppen nämlich noch gar nicht,
wessen Hände nunmehr ihr Schicksal leiteten. Dessen unbewußt,
schlugen sie sich am San nicht minder tapfer als die andern
Armeen.
Am I. Oktober 1914 befand sich daher die 4. Armee in derselben
Verfassung, wie am 2. Oktober!
ad b) Was meinen persönlichen Zustand anlangte, habe ich schon
früher auf die Aussprüche all meiner Besucher hingewiesen, die dar-
über nur Lobendes zu sagen wußten. Konnte es übrigens einen besse-
renBeweis meiner vollwertigen Vitalität geben, als die Tatsache, daß
ich wenige Monate später das überstehen konnte, was mir Schicksal
und Menschen böswillig in den Weg warfen? Könnte ein 63jähriger
Mann solches ungebeugt und sieghaft überdauern, der physisch und
psychisch nicht vollkommen gesund ist ? Somit war auch dieser Vor-
wurf gänzlich unbegründet und gänzlich ungerecht.
Von welcher Seite immer besehen, war meine Amovie-
rung nichts anderes als ein Akt selbstherrlicher, unbe-
rechtigter Willkür!
Dieses aufstachelnde Empfinden erfüllte mich während meiner
Fahrt. Oberst Soos und Rittmeister Fongarolli, meine beiden Be-
gleiter, waren auch in Gedanken versunken. Der ehrgeizige Soos
sah seine generalstäblerische Existenz imd die damit verbundene
Hochkonjunktur gefährdet. Zu tiefst mit dem Herzen doch bei den
grünen Unterstrategen des obersten Hauptquartiers, versuchte er
Anspielungen, als hätten die beiden ungünstigen Berichte, die ich
ausjaslo eingesendet hatte, und die einen nicht geplanten Rasttag
erzwangen, die eigentliche Veranlassung unserer Heimreise gegeben.
Sie waren es gewiß nicht. Doch angenommen, es wäre dem wirklich
so gewesen, so spräche es wieder für die unveräußerlichen Prinzipien
unserer Regierungskunst, die die Devise trug: ,,nichtsUnangenehmes
mitteüen!" Andererseits würde ich völlig stolz darauf sein, daß ich
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918