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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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auch diesmal ungescheut die Wahrheit sagte. Zu welch fürchter- lichen Konsequenzen eine vom grünen Tisch initiierte Hetze führen kann, sah man zwei Monate später beim Zusammenbruch der großen Offensive in Serbien. In Wadowice hielten wir kurze Rast. In einer Cukiernia (Kondi- torei) fanden wir schon die Wiener Morgenblätter, darin zu meiner Überraschung das offizielle Communique bereits zu lesen war, welches meine Erkrankung der Öffentlichkeit zur Kenntnis brachte.^) Es war—ich möchte fastsagen ,, merkwürdigerweise"—korrekt undgut abgefaßt und trug wesentlich dazu bei, daß an eine Amovierung lange Zeit nicht geglaubt wurde. In Wadowice wurde ich sofort erkannt und war daher froh, daß wir mit unserm schon stark hava- rierten Auto bald wieder Weiterreisen konnten. Jeden Moment eine Panne gewärtigend, passierten wir Biala, das Refugium der galizischen Statthalterei, und gelangten nach Bielitz, wo bereits Vorbereitungen für die Aufnahme des Armeeoberkom- mandos getroffen wurden. In einem geradezu erstklassigen Hotel fanden wir ausgezeichnete Unterkunft, doch wenig Schlaf. Das Ge- fühl eines Depossedierten ist wahrhaft niederträchtig. Zu wissen und zu empfinden, daß man urplötzlich, ebenso ungewollt als un- verdient, an dem Abschluß seiner Lebensarbeit angelangt ist, ruft eine Bitterkeit wach, die völlig zum körperlichen Schmerz wird. Und die Machtlosigkeit gegen all die versteckten Angriffe und In- trigen könnte wahrhaft vergiftend wirken. Am folgenden Tag— 2. Oktober— mußten wir die Abfahrt wegen Autodefekten bis 11 Uhr verschieben. Somit mußte ich meine Ab- sicht, einen Umweg über Bad Roznau zu nehmen, aufgeben. Es tat mir sehr leid, da ich zum ersten Mal in meinem Leben das dort be- findliche Grab meiner Mutter aufsuchen wollte. Just in jenem trüben Lebensmoment wäre es mir Herzensbedürfnis gewesen, einen Augen- blick an ihrem Grabe zu stehen. Auch sie war ehrgeizig gewesen. Wie hätte sie mich in jener Stunde verstanden! Es sollte aber nicht sein. Die Ausführung war unmöglich. Und jetzt, nachträglich, ist's mir, als ob das Schicksal gewußt hätte, daß ich damals erstam Fuße des Kalvarienberges gestanden, den ich dann etliche Monate später in seiner ganzen steilen Höhe erklimmen mußte. Dann erst, so glaube ich, war ich am Gipfel des Elends angelangt. 1) DieseNachrichtwurdeauchimAuslandsehrbaldbekannt. Eingefangener verwundeter russischer Offizier erzählte nach einigen Monaten einer Pflegerin, Frau eines Obersten, daß in der russischen Armee darüber völlig Freudenatis- brüche erfolgten. Überdies berichtete ein nach dreijähriger russischerGefangen- schaft zurückgekehrter Rittmeister (Sohn eines hohen Generals) u. a. : ,,Auffen- berg war ein Heerführer, den die Russen restlos anerkannten!" 394
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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