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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 395 -
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Bei strömendem Regen gings durch Teschen. Daß just diesem Orte die Ehre zuteil werden sollte, seinen „Herzog"/) den Ober- feldherrn, während einer langen Dauer des Krieges zu beherbergen, ahnte man damals noch nicht. Man hätte eine so weite Rückver- legung des Armeeoberkommandos damals als besonderen Tiefstand angesehen. Daß dann doch wieder ein mächtiger Anstieg kam, dem Anscheine nach von denselben Männern dirigiert, mit teilweise aus- gesogenen Truppen, gehört in das Kapitel der ganz eigenartigen Psychologie des Weltkrieges. Völkerschicksal, Weltregierung, Fatum, obersteVorsehung ! Wieman esnennen will ! Jedenfallsaberetwas, das außer undüberuns, somitauchüber allendirigierendenMännern steht. In Friedeck nahmen wir ein bescheidenes Mahl ein. Dort, wie in allen andern Orten, die wir durchfuhren, massenhaft Ersatzforma- tionen. Damals wurden die dritten Marschbataillone ausgebildet und eingeübt. Wohl niemand hätte daran glauben wollen, daß es noch bis zu 28 Marschbataillonen kommen sollte. In Bisenz verließ Oberst von Soos das Auto, um mit dem Nacht- zug rasch nach Wien zu kommen. Der ehrgeizige Mann hatte Eile, an die Zentralstelle zu gelangen, um sich daselbst wieder auf einen Posten zu bringen. Ich hatte keine Eüe und blieb daher mit Fonga- rolli in Bisenz. Auch dort wurde ich bald erkannt. Man war bestrebt, mich der ergebensten Gesinnung zu versichern. Da der Hotelier gleichzeitig Bürgermeister des Ortes war, vollzog sich dies gewisser- maßen im häuslichen Kreise. Der mächtige Bund russischer Achsel- klappen imponierte sehr. Viele der Bewohner sprachen die Hoffnung aus, daß ihre Söhne und Brüder an weiteren glücklichen Aktionen teilnehmen und solche Trophäen erbeuten werden. Tatsächlich haben sich die mährischen Regimenter 3, 54 und 99 auch überall sehr tapfer geschlagen. Dannkam der 3. Oktober, der letzteTag meiner kurzen Kampagne. Da ich nicht vor Abend in Wien eintreffen wollte, fuhren wir lang- sam dahinundmachten einigeymwege. Wir besichtigtendasberühmte Schloß Eisgrub des Fürsten Liechtenstein, darin 1866 König Wilhelm sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Auch da erkannte man mich sofort und wies mir bereitwillig alle Räume und Parkanlagen. Wie aufnahmefähig wäre ich unter andern Umständen für die landschaft- lichen und baulichen Schönheiten, für alle Kunstgenüsse gewesen. Doch so . . .! Nachmittags fuhren wir über Windisch-Baumgarten und Zisters- dorf ins Marchtal. Meine Erinnerung trug mich 44 Jahre zurück, 1) Erzherzog Friedrich führte bekanntermaßen auch den Titel eines Herzogs von Teschen. 395
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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