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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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als ich Anno 70 in jener Gegend meine Mappierungsübung als Neu- städterAkademikerabsolviert hatte. Langsam dahinfahrend, erkannte ich noch die Punkte, von wo aus ich gepeilt und mich mit den An- fängen der Terrainaufnahme vertraut gemacht hatte. Auch sonst ließ mir mein treues Gedächtnis all die Erinnerungen von einst er- stehen, meine ganze Lebensbahn mit ihren verschlungenen Zykloiden. Kurze Rast hielten wir noch am Bahnhof von Gänserndorf. Als ich im Jahre 1878 als Brigade-Generalstabsoffizier zur mobilisierten 61. Infanteriebrigade stoßen sollte, hatte ich in diesem Bahnhof den nach Budapest abgehenden Zug erwartet und die ersten aus Bosnien zurückgekehrten Verwundeten gesehen. Auch jetzt war dort eine Labestation etabliert, und diensteifrige Pflegerinnen und Labe- schwestern eilten aufund ab, guckten mich auch neugierig an, als sie bald heraus hatten, wer der General war. Und dann kam das letzte Stück Weges. Ich legte es in einer kaum zu beherrschenden Nervosität zurück. Die Aussicht, mit den Meinen bald wieder vereint zu sein, war mir Freude und Trost. Doch daß ich just so zurückkehren mußte, als Sieger über den Feind in gewal- tiger Schlacht und doch als Besiegter durch— nun sagen wir— das Geschick! Das Gefühl, daß meine Karriere, vor allem aber mein Schaffensdrang, inmitten dieser großen gewaltigen Zeit ein jähes und völlig unverständliches Ende gefunden hatte, ließ meine feinsten Nervenstränge vibrieren. Auch mein Begleiter, Fongarolli, war schweigsam" und in sich gekehrt. Abend war's. Wir passierten die Gürtelwerke des feldmäßigen Brückenkopfes, schwache Linien, die einem eventuellen ernsten An- sturm des Feindes hätten widerstehen sollen! Endlich die Donau- brücke. Ein Jahr vorher hatte ich sie nach Tabor in freudiger Stim- mung überquert, heute nach Komarow mit tief gekränktem Herzen Jetzt die leuchtenden Häuserzeilen Wiens. Und dann, mein telegra- phischabgegebenesAvisogenaueinhaltend,warichum7UhrzuHause. Weib und Kind kamen mir freudig und herzlichst entgegen. Am häuslichen Herd fand ich meinen liebevoll gehegten Platz, und das friedliche, freundlicheHeim ließ mich, wenigstens für den Moment, das tiefe Weh vergessen, das neidische, übelwollende und intrigante Menschen mir bereitet hatten. Zu meinem Glück konnte ich nicht in meine nahe Zukunft blicken. . . . In mein Tagebuch aber schrieb ich damals: „7 Uhr daheim. Ju- belnder Empfang, der mich alles Leid und alle Kränkung vor- erst vergessen läßt. Teresina und Erika sind die beiden besten Men- schen auf der Welt! Das kann mich für vieles entschädigen!" 396
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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