Seite - 401 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Bild der Seite - 401 -
Text der Seite - 401 -
Es war durchaus nicht leicht, in diesem siebentägigen Ringen den
Sieg zu erkämpfen, zumal der Gegner überlegen war und in bekannten
und befestigten Stellungen focht. Den Sieg vermag niemand zu be-
streiten, da der umgangene Gegner tatsächlich alle Teile des Schlacht-
feldes räumte und sich auf 60 Kilometer hiervon zurückzog.
Das sofortige Verkehren der Front und der ungesäumt sich voll-
ziehende Abmarsch nach Süden zur Degagierung der 3. Armee er-
folgte sowohl auf Grund eines Appells, als einer bezüglichen Dispo-
sition des Armeeoberkommandos.
Es war mir vollkommen klar, daß diese Operation ein hohes Risiko
in sich barg; doch eben darum tat ich alles nur Mögliche, um den
Erfolg zu sichern; wußte ich doch sehr genau, daß bei einem Miß-
erfolg der Gesamtoperation just meine opferbereite Armee in die un-
günstigste Lage kommen müsse. Bei dem nun erfolgten sechstägigen
Kampfe, bei dem sich tatsächlich das Gros der feindlichen Armee
gegen mich gewandt hatte, ließ ich es wahrlich an Kampfenergie
nicht fehlen, da ich z. B,— als einzig dastehendes Beispiel— sogar
zwei Kavallerietruppendivisionen zu mehrtägigem Feu^rgefecht ein-
setzte. Nur so gelang es mir, die mit Überlegenheit durchgeführten
steten Angriffsversuche siegreich abzuwehren, bis am Abend des
sechsten Tages der Befehl zum Abbruch des Kampfes erfolgte. Ich
betone, daß ich an einen Rückzug meiner Armee noch nicht dachte,
da ich, obwohl umfaßt, nur den linken Flügel bis an die Ratalinie
zurückbringen und dort unter allen Umständen weiter ausharren
wollte. FreÜich unter der Voraussetzung, daß die 3. und 2. Armee
gegen Norden einschwenken würden, da sie notorisch nur schwächere
Kräfte gegen sich hatten.
Wie dem nun aber auch gewiesen sein mochte, den Befehl des Ar-
meeoberkommandoszumAbbrechen desKampfes mußte ich befolgen,
nicht ohne noch vorhermehrerevehementeStößedesGegners, speziell
vorderFrontdesVI.undXVII.Korps, blutigzurückgewiesenzuhaben.
Diesem Waffenerfolg dankte ich es auch, daß der wohl unter den
ungünstigsten Verhältiüssen durchzuführende Rückzug gelingen
konnte. Die ungeheuren Schwierigkeiten des letzteren charakteri-
sieren sich dadurch am besten, daß am 11. September die Schlacht-
front derArmee fast 50Kilometer betrug, während dieselbeam13.Sep-
tember ein IG Kilometer breites Defüe passieren und hierbei eine
Achtelschwenkung durchführen mußte. Nichtsdestoweniger gab es
bei keinerAbteilung einDebacle, und die kleineren Rückzugsgefechte
wurden siegreich bestanden.
Ich glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn ich diese ganze dreißig-
tägige Operation, die durch dreizehn Schlachttage bezeichnet ist, als
26 Auffenberg 4OI
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918