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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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einsendete— Konvolute von Schriften, mit eigener Hand sorgfältig geschriebene und mit Skizzen reich belegte Operations- und Gefechts- schilderungen. Welch enormer Arbeitsfleiß! War die aufgewendete Zeit und Mühe nicht eher schädlich als nützlich? Ein Feldherr, der sich ganz und gar an den Schreibtisch fesselt imd sich mönchartig vom praktischen lieben abschließt, verliert den Blick für die Wirk- lichkeit, das Element, in dem der Krieg allein zu Hause ist. Ein ober- ster Feldherr, der wirklich führen und nicht nur repräsentieren will, muß sich wohl bis zu gewissem Grade isolieren, darf nicht allzu viele AnsichtenundMeinungen anhören. Andererseits haben die veralteten Anekdoten vom ,,seligen Hofkriegsrat", der von Wien aus den Krieg und die Schlacht hatte lenken wollen, schon lange den Kurswert ver- loren. Sie waren vielleicht angebracht gewesen im Zeitalter der rei- tenden Kuriere und der Poststraßen, doch nicht in unserer Zeit des wahrhaft raffinierten Verbindungs- und Nachrichtendienstes, wo Hunderte von Kilometern kaum eine Rolle spielen. Dieser überfeine Apparat kann wohl mit einemmal aussetzen, und, wenn das Unglück es will, vielleicht gerade im wichtigsten ]\Iomente. Die individuelle und persönliche Fühlung soll daher niemals ganz außer Kontakt ge- setzt werden. Die richtige Wahl zu treffen, ist gewiß nicht leicht. Sie ist in erster Linie Sache der Veranlagung. Eine der Feldherren- eigenschaften! Mehr zu sagen, hüte ich mich, da ich weder in die schriftlichen Darlegungen des unglücklichen Generals Einsicht nahm, noch sonstüber dieDetailsvonhübenunddrübengenauinformiert bin. Übrigens ließen sich die Operationen anfänglich günstig an. Die Truppen kämpften sehr brav, die wohlvorbereiteten Stellungen der Serben wurden nacheinander erobert, Valjevo genommen, und die wichtige Kolubaralinie durchbrochen. Dadurch war die Einnahme Belgrads von selbst gegeben, und es bedurfte sogar einer gewissen Aufmachung, um ,,Stadt und Festung Belgrad" erst just am 2. De- zember, Kaisers Regierungsantritt, dem „Allerhöchsten Kriegsherrn zu Füßen zu legen". Man tat das mit viel Geschicklichkeit. All- überall wurde geflaggt, undman jubelte über dieEroberung derfeind- lichen Hauptstadt. Die Anerkennung blieb nicht aus, zumal Potiorek an Allerhöchster Stelle, namentlich aber bei dem überaus einfluß- reichen Vorstand der Militärkanzlei seit jeher in ganz besonderer Gunst stand. Hatte doch dieser Funktionär, als ich Kriegsminister gewesen, einmal geäußert, daß man bei Eintritt ernster Verhältnisse Potiorek alles übergeben sollte. Und noch während des Krieges meinte er, daß für den Fall, daß oben ein Personenwechsel nötig werden sollte (imNovember 1914 hatteman daran gedacht), Potiorek der providentielle Mann sei. 413
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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