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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Vorher erbat ich eine Audienz beim obersten Kriegsherrn. Ich war für meine Feldzugsleistungen zweimal dekoriert worden und hielt es in jeder Beziehung für meine Pflicht, mich dem Kaiser in Erinnerung zu bringen. Die Audienz wurde mir prompt zugestanden, doch bezeichnenderweise nicht als Privataudienz, sondern inmitten der allgemeinen Audienzen. Hiermit war schon im vorhinein an- gedeutet, daß der Kaiser sich über nichts informieren, sondern nur meinen Dank entgegennehmen woUe. Bei dieser allgemeinen Audienz wurden empfangen: der frühere LandesverteidigungsministerGrafWelsersheimb, derehemaligeKriegs- minister Baron Schönaich, Brudermann und ich. Die drei genannten Generale hatten einen höheren Geheimratsrang als ich, wurden daher vor mir empfangen. Alle, auch Brudermann, verließen den Audienz- saal mit befriedigter Miene. , Dannkam ich. In konventioneller Weise brachte ich meinen Dank dar, worauf der Kaiser mit einigen kurzen Worten der ausgezeich- neten Armeeführung gedachte. Sodann fragte er aber sofort— wie denn eigentlich das Wetter und die sonstigen Verhältnisse am Sem- mering wären?! W^eiters meinte der Monarch, daß auf den Kriegs- schauplätzen jetzt schon sehr viele Erfrierungsfälle vorkämen. Ich benützte diese Wendung, um einiges von den Schützengräben im allgemeinen, von den russischen im besonderen zu sagen, sowie vom Verhalten der Russen in den Verschanzungen. Der Kaiser hörte mir kopfnickend eine Zeitlang zu und entließ mich dann in seiner huld- vollen, unverbindlichen Art. Das war gewiß alles wohlüberlegt, resultierte aus traditionellen und sonst eingehenden Erwägungen. Gleichwohl berührte es mich eigenartig. Vor seinem obersten Kriegsherrn steht ein Feldherr, der vor wenigen Wochen einen großen Sieg erfochten hatte. Sollte man da nicht annehmen, daß der Kaiser an diesen General sachliche oder persönliche Fragen zu stellen hätte ? Daß dessen Auffassimg und Er- fahrung ihn doch einigermaßen interessieren würden? Insbesondere in einer Zeit, da die Ereignisse im vollsten Gange und zwar in einem nichts weniger als erwünschten Gange waren. Die Audienz fand am 10. Dezember statt, in einem Moment, da der Gegner am nördlichen Kriegsschauplatz bereits vor den Forts von Krakau angelangt war, im Süden aber die eingetretene Katastrophe oder mindestens deren Beginn an oberster Stelle bereits bekannt sein mußte. Jedenfalls zeugte dies von einem bewundernswertenGleichgewicht undvon einer Seelenruhe, die von keinemSturm gestört oder bewegtwerdenkonnte. Am Semmering angelangt, lernte ich neuerdings sehr viele Men- schen kennen. Das Interesse für meine Person war im großen Publi- 416
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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