Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 421 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 421 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Bild der Seite - 421 -

Bild der Seite - 421 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text der Seite - 421 -

Mitte Februar erhielt ich einen Brief des Kriegsministers, in dem !r mich unvermittelt zum endgültigen Rücktritt aufforderte! Dieser Jriasbrief traf mich ebenso hart als unerwartet. Es empörte mich LUch, daß man nicht einmal die äußere Form einhielt, um mir zu agen, daß man auf meine weiteren Dienste nicht mehr reflektiere, iOndern daß man mir, wie jedem anderen, der gerade die Alters- grenze erreicht hatte, den Abschied zuteil werden Heß. Tatsächlich ^hielten auch am selben Tage alle mit keinemKommando betrauten generale die gleiche Aufforderung. Leider beging ich nun einen großen Fehler, den ich dann nachträg- ich, also zu spät, bereuen sollte. Das einzig Richtige wäre gewesen, ofort— gewissermaßen am selben Tage— die Konsequenzen zu iehen und auf meiner allsogleichen Pensionierung ohne eine äußer- iche Anerkennung mit größter Energie,zu bestehen. Ich hätte diese Lem blödesten Auge erkennbare Ungerechtigkeit und Vergewaltigung infach über mich ergehen lassen sollen. Statt dessen nagte die Ver- rgerung an meiner Seele. Ich woUte nicht ewig müßig bei den Über- tändigen sitzen, wollte dem Vaterlande noch Dienste leisten, weil Dh fühlte, daß ich es noch lange vermögen wHirde. Und so tat ich ben nicht das Richtige: mit Ostentation die Würde von mir zu veiien, die mir nun doch endgültig verleidet war! Ich suchte nach einer Woche den Chef der Müitärkanzlei auf und Lbergab ihm eine kurze, für den Kaiser verfaßte Denkschrift, in der :h unter Hinweis auf meine Dienste— speziell im Laufe der letzten ünf Jahre— die Bitte stellte, den Rücktritt auf einen späteren Zeit- >unkt zu verlegen und mein militärisches imd soziales Ansehen in Betracht zu ziehen. Bolfras erklärte sich damit einverstanden und lezeichnete die Zuschrift des Kriegsministers an mich als nicht von bm initiiert. Auf meine Einwendung, daß doch Krobatin unmög- Lch eigenmächtig so handeln könne, da dies gar nicht in seinem Vesen liege, meinte er, daß dasArmeeoberkommando da eingegriffen Laben dürfte. Doch schon tagsdarauf sandte mir Bolfras das Memorandum mit iner langen Einbegleitung zurück, in welchem der in allen Kunst- tücken des Geschäftsverfahrens so überaus versierte Kabinettschef ine Menge von Scheingründen darlegte, die das Memorandum nur tn Wege des Kriegsministeriums und nur dann vorlegen ließen, wenn :h darin von allen Momenten absehe, die meiner Versetzung in Dis- »onibilität vorausgegangen waren. Dies wäre eben als ,,ein fait .ccompli anzusehen, worüber nicht mehr weiter zu sprechen sei." Dadurch wäre aber das Ganze nichts anderes als eine simple Bitt- chrift geworden, die einzusenden gar nicht in meiner Intention 421
zurück zum  Buch Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang