Seite - 428 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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gaß diese bedeutungslose Korrespondenz vollkommen. Schwarzens
Verhältnisse wurden dann immer ungünstiger, und im Februar 1915
machte er seinem Leben freiwillig ein Ende,
Eine Reihe nicht ganz geklärter Zufälle führte dahin, daß im April
jenes Jahres Schwarzens schriftlicher Nachlaß amtlich durchsucht
wurde. Hierbei soll man meine Korrespondenz gefunden haben.
Es war an einem Sonntag, just an jenem Tag, von dem ich früher
erzählt hatte. Doch die feiertägliche Ruhe hinderte keineswegs, daß
man mit bewunderungswürdiger Raschheit die Militärkanzlei des
Kaisers hiervon in Kenntnis setzte, die augenblicklich die kaiserliche
Erlaubnis zu meiner sofortigen Verfolgung und Inhaftierung erbat
und auch erhielt. Mit beispielloser Hast erfolgte noch im Laufe des
sonntägigen Abends die Zusammensetzung einer geheimen Unter-
suchungskommission, deren Chef, General der Kavallerie Graf Uex-
küll, mir die früher erwähnte Einladung zukommen ließ . . .
Als ich die Kanzlei des Generals betrat, fand ich zu meiner Über-
raschung eine Gerichtskommission vor. Nach einigen allgemeinen
Worten entfernte sich Uexküll, ließ mich mit der Kommission allein,
und der amtierende Auditor erklärte mir kurz und bündig, daß ich
michwegen Börsenspekulationund hierdurch versuchter Bereicherung
zu verantworten habe!
DieAufmachung war wahrhaft völlig genial und brillant arrangiert,
denn ich war wirklich vollkommenst überrascht und wie vor den
Kopf geschlagen!
Im vollen Bewußtsein, daß ich weder an der Börse gespielt, noch
mich je bereichert hatte, wies ich die Anschuldigung heftig und ent-
schieden zurück. Als man mir dann die einzelnen Stücke meiner mit
Schwarz geführten Korrespondenz vorwies, erinnerte ich mich daran
wohl dunkel, vomZusammenhange war mir aber nur das eine sonnen-
klar, daß ich persönlich gar nie an einer Börsenspekulation teilge-
nommen oder dieselbe in irgendeiner Weise initiiert hatte. Darüber
gab ich auch dem General Grafen Uexküll meine ehrenwörtliche
Versicherung. Nichtsdestoweniger ließ der greise und völlig über-
rumpelte Mann meine Verhaftung zu. Der Graf berichtete später
meiner Frau, daß er vorher nicht orientiert wurde, um was es sich
eigentlich handle, und den effektiven Grund, dessentwegen er mich
zu sich zu bitten hatte, erst erfuhr, als die Gerichtskommission bei
ihm erschienen war.
Meine Verhaftung erfolgte in stürmischer Weise, Alle meine Ver-
sicherungen halfen nichts. Man gebärdete sich wie toll, nahm mir
den Säbel ab, den ich 44 Jahre lang dem Vaterland und mir zur Ehre
getragen hatte. Es war der schmerzlichste und demütigendste Mo-
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918