Seite - 430 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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in solchen Dingen höchst skrupulös denkende Monarch gar nie die
Zustimmung zu solchen Akten der Gewalttätigkeit gegeben. Über-
dies ist es nahezu sicher, dai3 schon in jenem ersten Moment das
Armeeoberkommando seinen stimulierenden Einfluß geltend gemacht
hatte. Daß dies in einem späteren Augenblick der Fall war, soll hier
dokumentarisch nachgewiesen werden.
Wie gesagt, man konnte nichts finden. Weder in der lächerlich
supponierten konspirativen Tätigkeit sowie in sonstigen politischen
Machenschaften, noch— horribile dictu— in dem klug erhaschten
Vorwand der Börsenspekulation und Bereicherung.
Mein
,, Letzter Wille" wurde kurzerhand aufgerissen und durch-
forscht. Daraus allein war schon mit apodiktischer Deutlichkeit zu
entnehmen, daß nie eine sprunghafte Erhöhimg meines geringen Ka-
pitals stattgefunden hatte. Dies genügte aber dem Untersuchungs-
richter noch lange nicht. Es erfolgten daher bei 36 Geldinstituten
Invigilierungen. Doch auch sie konnten kein anderes Moment zu-
tage fördern, als daß ich ein kleines Vermögen mein eigen nenne, das
der Hauptsache nach schon seit 20 Jahren meinen Besitz-
stand bildet. Das hinderte aber nicht, daß schonam folgenden Tag
das kaiserliche Handschreiben mit der Standeserhöhung aus meiner
Wohnung entnommen wurde, und das hinderte weiters nicht, daß
der große Schlager einsetzte: die offizielle Publizierung des gegen
mich eingeleiteten Verfahrens in allen Blättern der bestandenen
Monarchie.
Als ich in meiner Zelle die offizielle Darlegung des Inhaltes las:
,,Ich sei wegen pflichtwidriger Amtshandlung als Minister in gericht-
licher Untersuchung, doch bezöge sich die Beschuldigimg auf das
Jahr 1912 und stehe mit dem Krieg in keinerlei Verbindung" —
brach ich fast zusammen, worauf der anwesende Untersuchungs-
richter völlig naiv erklärte, man hätte dies veröffentlichen müssen,
damit In- und Ausland nicht noch Ärgeres vermute. Ein Akt solcher
noch nie dagewesenen verblüffenden Willkür, der auch im heftigsten
Widerspruch mit dem in Österreich-Ungarn traditionell gewesenen
Vertuschungssystem stand, mußte natürlich das ungeheuerlichste
Aufsehen erregen. Es erregte aber auch den Unwillen fast aller Kreise
der Monarchie, dagegen Jubel und Hohn im feindlichen Ausland, das
darüber Bulletins ausgab.
Von allem abgesehen war es der ungeheuerlichste Unsinn der Re-
gierung! Und damit dieser Publikation nicht die richtige Folie fehle,
war am gleichen Tag und in denselben Blättern eine offiziöse Dar-
stellung der ersten Feldzugsperiode zu lesen, in der meine Operationen
bei und nach Komaröw zu glanzvoller Darstellung gelangten. Aller-
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918