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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 430 -
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in solchen Dingen höchst skrupulös denkende Monarch gar nie die Zustimmung zu solchen Akten der Gewalttätigkeit gegeben. Über- dies ist es nahezu sicher, dai3 schon in jenem ersten Moment das Armeeoberkommando seinen stimulierenden Einfluß geltend gemacht hatte. Daß dies in einem späteren Augenblick der Fall war, soll hier dokumentarisch nachgewiesen werden. Wie gesagt, man konnte nichts finden. Weder in der lächerlich supponierten konspirativen Tätigkeit sowie in sonstigen politischen Machenschaften, noch— horribile dictu— in dem klug erhaschten Vorwand der Börsenspekulation und Bereicherung. Mein ,, Letzter Wille" wurde kurzerhand aufgerissen und durch- forscht. Daraus allein war schon mit apodiktischer Deutlichkeit zu entnehmen, daß nie eine sprunghafte Erhöhimg meines geringen Ka- pitals stattgefunden hatte. Dies genügte aber dem Untersuchungs- richter noch lange nicht. Es erfolgten daher bei 36 Geldinstituten Invigilierungen. Doch auch sie konnten kein anderes Moment zu- tage fördern, als daß ich ein kleines Vermögen mein eigen nenne, das der Hauptsache nach schon seit 20 Jahren meinen Besitz- stand bildet. Das hinderte aber nicht, daß schonam folgenden Tag das kaiserliche Handschreiben mit der Standeserhöhung aus meiner Wohnung entnommen wurde, und das hinderte weiters nicht, daß der große Schlager einsetzte: die offizielle Publizierung des gegen mich eingeleiteten Verfahrens in allen Blättern der bestandenen Monarchie. Als ich in meiner Zelle die offizielle Darlegung des Inhaltes las: ,,Ich sei wegen pflichtwidriger Amtshandlung als Minister in gericht- licher Untersuchung, doch bezöge sich die Beschuldigimg auf das Jahr 1912 und stehe mit dem Krieg in keinerlei Verbindung" — brach ich fast zusammen, worauf der anwesende Untersuchungs- richter völlig naiv erklärte, man hätte dies veröffentlichen müssen, damit In- und Ausland nicht noch Ärgeres vermute. Ein Akt solcher noch nie dagewesenen verblüffenden Willkür, der auch im heftigsten Widerspruch mit dem in Österreich-Ungarn traditionell gewesenen Vertuschungssystem stand, mußte natürlich das ungeheuerlichste Aufsehen erregen. Es erregte aber auch den Unwillen fast aller Kreise der Monarchie, dagegen Jubel und Hohn im feindlichen Ausland, das darüber Bulletins ausgab. Von allem abgesehen war es der ungeheuerlichste Unsinn der Re- gierung! Und damit dieser Publikation nicht die richtige Folie fehle, war am gleichen Tag und in denselben Blättern eine offiziöse Dar- stellung der ersten Feldzugsperiode zu lesen, in der meine Operationen bei und nach Komaröw zu glanzvoller Darstellung gelangten. Aller- 430
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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