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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich war oft dem Wahnsinn nahe, und es gabAugenblicke, wo mich die rasende Sehnsucht überkam, diesem Höllendasein zu entfliehen. Doch der Gedanke an meine Familie, an meine Schuldlosigkeit, und nicht zuletzt der an meinen Namen verhinderte die letzte Tat der Verzweiflung. Der Sieger von Komaröw durfte um keinen Preis wie ein Vabanquespieler in Monte Carlo enden. In allemJammer flammten aber auch Wut und Empörung in mir auf über die unerhörte, jede Rücksicht beiseite setzende Vergewal- tigung, die von jenen ausging, denen ich durch 44 Jahre in auf- opferndster Treue erfolgreichst gedient hatte. Stählerner Trotz hielt mich aufrecht. Ich wollte allem die Stirne bieten, wollte gesund, stark und widerstandsfähig bleiben, wissend, daß den Drahtziehern dieser Komödie nichts besser passen würde, alsmich niedergerungen zu sehen oder gar aufmeinen zerschmetterten Schädel hinweisen zu können, um pharisäerhaft auszurufen: ,,Seht, wie schuldig er sich fühlte, da er sich selbst gerichtet hat!" Und während ich mein Martyrium in der Kerkerzelle tragen mußte, trugen meine Frau und Tochter ein gleiches in der Öffentlichkeit. Doch nicht ergeben, nicht ohne Widerspruch. Mit aller Kraft ar- beitete meine Frau für meine und unseres Namens Ehre. Zunächst in der Weise, daß sie die Intervention Höchststehender zu erwerben versuchte. Vergebliche Mühe! Im Opportunitätsstaat Österreich wollte doch niemand für einen von oberster Stelle so Behandelten auch nur den Finger rühren. Ich spreche dabei gar nicht vom ver- antwortlichen Kriegsminister, der meiner Frau oft und freimütig er- klärte, daß er nur die aus der Müitärkanzlei kommenden Wünsche imd Befehle kenne. Wohl spreche ich aber vom Chef der Militär- kanzlei, dem damals allmächtigen Generaladjutanten. Nichts als Ab- weisung. Worte wie: ,,Zuerst das UrteÜ und dann die Gnade!" (Um dieübrigenskeinMenschgebeten hatte.) Und dergleichenDingemehr. Anders die Öffentlichkeit. Im parlamentlosen Österreich war sie allerdings mundtot. Doch in Ungarn lebte sie, da just der Reichstag tagte. Unterstützt durch den mir wahrhaft freundschaftlich gesinnten Herausgeber der „Zeit", Professor Dr. Singer, und in erster Linie durch den Prinzen Ludwig Windis'chgraetz, der sich in so werktätiger Weise an meineSeiteund auf denStandpunktderGerechtigkeit stellte und der eben als Abgeordneter in Budapest weilte, wandte sich Dr. Preßburger an den ungarischen Abgeordneten Dr. Vaszony. Die- ser brachte in streng sachlicher, formvollendeter Rede den ganzen imerhörten Vorfall zur Kenntnis des Parlamentes und knüpfte eine Interpellation daran. Sie wtude vom Regierungschef Tisza bezeich- nenderweise nicht beantwortet, und das Parlament wurde wenige 432
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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