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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 433 -
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Tage darauf vertagt. Tisza, privat befragt, warum er die Antwort schuldig bleibe, äußerte: „Sie würde für Teschen (Armeeoberkom- mando) das rote Tuch bedeuten . . . !" Trotzdem verhallte die große Rede Vaszonys nicht wirkungslos, denn die Öffentlichkeit war nun alarmiert. Und wenn sich dies zunächst auch nur in einer noch ver- schärfteren Kontrolle meiner Person geltend machte, so wurde man doch darauf aufmerksam, daß es Schranken gibt, vor denen selbst damals die Gewaltinhaber halten mußiten. Und nur dadurch wurde ein völliges Ausrotten meiner Person verhindert, das sonst so ganz im Sinne der zum Äußersten entschlossenen Verfolger gewesen wäre. Für sie galt allerdings nur das ,,Entweder—Oder". Entweder konnten sie beweisen, daß Auffenberg ein nichtswürdiger Missetäter ist, oder sie waren bis auf die Knochen blamiert. Gewissensskrupel werden sie wohlkaum geplagt haben. Doch stand zu jener Zeit die Situation für sie schon recht ungünstig, weil eben alle Erhebungen ein nega- tives Resultat erbracht hatten. Am 25. Verhaftungstage durfte ich inGegenwartdesUntersuchungs- richters endlich die erste Besprechung mit meinem Rechtsanwalt ha- ben. Hierbei ließ der Auditor zu, daß ich meinem Verteidiger ein Anklagemotiv bekanntgab, das — bezeichnenderweise in diesem Momente gar nicht mehr bestand! Es war schon lang gefallen und umgestellt worden auf ,,Verletzung der Dienstvorschriften im allgemeinen". Mich und meinen Verteidiger ließ man aber ruhig weiter des Glaubens, daß jenes erste Motiv, „Börsenspekulation und Bereicherung", wegen dessen ich verhaftet worden war, noch weiter aufrecht bestehe. Von der Umstellung sollten wir beide erst sechs Wochen später Kenntnis erhalten. In jene Zeit der Hölle fiel mein 63. Geburtstag. Meine Frau und meine Tochter wollten wenigstens an diesem Tage einige Worte mit mir wechseln und mich ihrer Innigkeit versichern, da sie mich sonst nie sehen durften, wenngleich das Gesetz es wohl erlaubt hätte. Doch auch diesmal warteten die Meinen vergebens. Welches Bewußtsein von Macht mußte den Auditor erfüllen und welch unbedingten Rück- halt an seinen Auftraggebern mußte er haben, um so schalten und waltenzukönnen ! Als eseinmal erregtzugingundmeinVerteidigerund ich energisch unserenStandpunkt wahrten, rief dieserMann auchaus „Ich tue nichts aus Eigenem, ich habe meine strikten Aufträge!"— Einer der eigenartigen, für die Völker der damaligen Monarchie charakteristischen Szene, die mich aufs tiefste erregte, muß ich oft gedenken. Es war am Pfingstmontag. In den Nachmittagsstunden wurde die Kriegserklärung Italiens bekannt. Gegen Abend wurden die Häft- 28 Auffenberg 433
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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