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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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linge und Sträflinge in den Zwinger geführt, wo der Strafhauskom- mandant, ein würdiger und tüchtiger Mann, ihnen den neuen Krieg zur Kenntnis brachte. Ich glaube, in Verbindung mit einem Straf- aufschuberlaß für alle, die zur Front gehen wollten. Ein ohrenbe- täubender jubelnder Lärm. Nicht endenwollende Hoch-, Hurra-, Eljen-, Slava-, Ziviorufe, die Zeugnis gaben, daß selbst die Insassen dieses dem Fluche geweihten Hauses von ihrem soldatischen und vaterländischen Empfinden nicht lassen wollten. Der Ausspruch: ,, Jedes Volk hat die Armee, die es verdient"— war der auch bei uns anwendbar? Wurden da nicht die kostbarsten Edelsteine und Goldstücke einfach in Sand und Kot gew'orfen, um wie durch ein Wunder immer wieder gereinigt in die tappenden Hände der Werfen- den zurückzugleiten ? Ein rasender, schier verzv/eiflungsvollerSchmerz durchtobtemeinen schon fast zerrütteten Körper, als ich die Rufe in mein einsames Gelaß herauf hörte. Krieg mit Italien ! EinProblem, das in den letzten Jahren fast meine Domäne geworden war. Das Tiroler Inspektorat war mir doch anvertraut gewesen. Alle Verhältnisse eines Angriffes und speziell eines Verteidigungskrieges hatte ich hundertfach durch- dacht und besprochen und jetzt . . .! Infam eingekerkert! Da brach ich zusammen und ein Weinkrampf warf mich aufs Bett. Es wurde ^litternacht, ehe ich meine wilde Verzweiflung einigermaßen meistern konnte. Das mögen die vor Gott ^•erantworten, die mir und dem Prestige der Armee solches angetan Indessen schleppte sich die Untersuchung von Woche zu Woche hin und gab Gelegenheit, die vollständig widerrechtliche Untersu- chungshaft zu verlängern. Die Verhöre folgten in langen Zwischen- pausen. Alle erdenklichenZeugen wurden herangezogen, die aber ent- lastend oder so verklausuliert aussagten, daß sich daraus bei bestem Willen keine ,,richtige Konstruktion" schaffen ließ. Dies betraf na- mentlich die Zeugenaussagen meiner einstigen Flügeladjutanten, der Oberstleutnants Csoban und Döry, sowie meines Personaladjutanten Rittmeister Fongarolli. Namentlich erstgenannter Offizier, der da- mals als Korpsgeneralstabschef im Felde weilte, wurde von einer in geheimer Mission hinaufgesendeten Gerichtskommission in einem 14 Fragepunkte enthaltenden Interrogatoire um alle nur möglichen Details befragt. Nicht eine Antwort konnte irgendweich Belastendes erbringen, und es ist bezeichnend, daß diese Protokolle weder mir je gezeigt noch bei der Gerichtsverhandlung produ- ziert wurden. Nun wurden Experten befragt. Unter andern sollte eine Bank- notabilität kundtun, daß es für mich als Kriegsminister ganz un- 434
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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