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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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bedingt verurteilen würde!" Auf die verzweifelten Ausrufe meiner Frau, die insbesondere das Ablegen der Charge als Unmöglichkeit und Ehrlosigkeit ansah, wiederholte der Minister seine dringende Aufforderung, versprach seine persönliche Befürwortung und die baldige und günstige Erledigung. Meine Frau wollte die Zustimmung nicht geben und wehrte sich gegen das Ansinnen, das man ihr be- reits am 13. Mai zum erstenmal gestellt und das sie schon damals mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen hatte. Ganz zermürbt kam sie heim und berichtete mir das Vorgefallene. Ich sträubte mich natürlich mit Leib und Seele gegen diesen Rat des Ministers. Doch schon am folgenden Tag kam ein Schreiben des Ministers an meine Frau, darin er mitteilte, daß er an oberster Stelle bereits referiert habe und daß ich das Abolitionsgesuch raschestens einsenden möge. Diese Eile ließ mich aufhorchen. Mit Gebräuchen persönlicher Be- richterstattung wohl vertraut, wußte ich, daß eine solche beim alten Kaiser an gewisse Formalitäten geknüpft war, und man ohne tags- vorher erfolgte Anmeldung nur in den seltensten Fällen vorgelassen wurde. Auchwaren Privataudienzen stets inden Blättern verzeichnet. Beides traf hier nicht zu. Da ich aber mala fides doch unmöglich annehmen konnte, mußte ich des Glaubens sein, daß eine expeditive Behandlung ganz besonders gewünscht werde. Ja, ich gab der Hoff- nung Raum, daß man eine Formel gesucht und gefunden hatte, diese meritorisch unmöglich gewordene Untersuchung einzustellen und mich zu rehabüitieren. In diesem Gedanken und unter der furcht- baren Depression, unter der ich seit vielen Wochen maßlos Gequälter mich befand, entschloß ich mich endlich schweren Herzens, dasAbo- litionsansuchen einzuschicken, bevor mir noch die Anklageschrift zugestellt worden war. Ich handelte gegen meine bessere Einsicht. Allerdings fiel es mir auch jetzt nicht bei, die Sühne, die man haben wollte, meine Charge, anzubieten. Ich batum die Abolition des Ver- fahrens, natürlich in jener deferenten Weise, die damals bei einem Majestätsgesuch üblich war. Die Erledigung blieb zunächst aus. Dagegenwurdemir dreiWochen später die Anklageschrift zugeschickt, aus der ich zu meiner größten Überraschung ersah, daß die Anklage umgestellt sei, und daß ich demnach um die Abolition einer supponierten Verfehlung gebeten hatte, deren man mich gar nicht mehr bezichtigte. In jenen Tagen starb General Graf Uexküll, an dessen letzter Lebenskraft die ihm so odiose Mission eines Gerichtsherrn gegen meine Person zweifellos gezehrt hatte. Eine Erledigung meines Ge- 436
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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