Seite - 437 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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suches erfolgte aber noch immer nicht. Das war eben so peinlich als
unverständlich. Für den Fall, daß meine früher geschilderte Hoff-
nung auf falscher Voraussetzung beruhte, daß man also durchaus
nicht die Absicht hatte, mir auch nur das leiseste Entgegenkommen
zu zeigen, die geringste Genugtuung zu bieten, hatte man es jetzt
doch in der Hand, mich auf Grund des leider eingesendeten Aboli-
tionsgesuches moralisch zu vernichten, dabei aber den Skandal einer
Gerichtsverhandlung gegen einen der ersten Generale der Armee zu
vermeiden. Da stimmte also etwas nicht, imd bis in die jüngste Zeit
war mir dieser Schritt vom Weg in der sonst ebenso schlau wie er-
barmungslos konstruierten Kampagne nicht recht faßlich. Erst nach
dem Zusammenbruch der Monarchie erhellte ihn ein Geheimakt. .
Erzherzog Friedrich, zur Abgabe eines Gutachtens aufgefordert,
kam dem in einem längeren Bericht (Reser\^at Nr. 6944 vom 15. Juli
1915) an den Kaiser nach, darin er sich in fanatischer Weise gegen
jegliche etwaige Milderung des Verfahrens aussprach und meine
strengste Verfolgung in allen Instanzen und bis ans letzte Ende
dringendst empfahl. Er drapierte sich dabeimit demGewand strenger
Gerechtigkeitsliebe und propagierte den Grundsatz, ,,daß Auffenberg
gerade seiner glänzenden Laufbahn und \äelfachen Verdienste wegen
auf das allerstrengste zu behandeln sei, ganz unbekümmert um die
moralischen und finanziellen Rechtsfolgen, die daraus für ihn er-
wüchsen!" Auch wird schon in jenem Bericht der Antrag ge-
stellt, daß, im Falle die Gerichtsverhandlung mit einem Frei-
spruch enden sollte, das ehrenrätliche Verfahren sofort einzusetzen
habe. Diesem Bericht, der die volle Vernichtung des gewählten
Opfers in leidenschaftlichster Weise anstrebte und die Ge-
sinnungen des Erzherzogs gegen seinen einstigen erfolgreichen Waffen-
gefährten in das richtige Licht stellte, wurde zugestimmt, und das
Abolitionsgesuch sechs Wochen nach dessen Einsendung verw^orfen.
Es geschah zu meinem größten Glück! Erzherzog Friedrich
war dieses eine.Mal ,,der Geist, der Böses will und Gutes schafft".
Durch das Zusammensein mit meiner Famüie und durch vielfache
Beweise getreuen Verharrens seitens verschiedener Gesellschafts-
kreise hatte sich indessen meine flexible Natur wieder emporgerafft.
Die fürchterliche Depression der ersten Tage und Wochen war ge-
schwimden, und eine trotzige Kampfesfreude erfüllte mich, als ich
am 3. August den Weg zur abschließenden Gerichtsverhandlimg an-
trat.
Und zu diesem günstigen Moment persönlicher kräftiger Kampfes-
disposition kam noch ein anderer, höchst wichtiger Umstand: die
Zusammensetzvmg des Kriegsgerichtes. Hierzu wurden die in Wien
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918