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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Was ich in jenen Tagen und Nächten durchlitten, ist unbeschreib- lich. Dennoch blieb ich aufrecht, und am Tage der Urteilsfällung war ich weitaus der ruhigste der ganzen Familie, Frau und Kind und mein Schv/ager, Dr. Maurer, der uns in der ganzen Zeit die treueste Stütze und durch seinen hellen Kopf auch der wertvollste Berater war, walteten unten im Auto, während ich oben dem Schicksal ent- gegensah. Und als nach endlosen Formeln und Einleitungen das er- lösende Wort ,,Freigesprochen" ertönte, war die Elastizitätsgrenze meiner Nerven schon so überspannt, daß ich kaum ein freudiges Aufblitzen verspürte und mein Kopf dem anschließenden Motiven- bericht mit größter Aufmerksamkeit und Sachlichkeit zu folgen ver- mochte. Klar verfaßt, erhob er sich im Maximum zur Annahme einer ,,eventuellen Indiskretion" (bezüglich der Karte), die einer dis- zipHnären Beurteilung möglicherweise zu unterziehen war, vor- ausgesetzt, daß sie angeklagt und nicht schon verjährt gewesen wäre. Der Freispruch erfolgte — nicht nur mangelnden Beweises, sondern auch mangelnden Tatbestandes wegen. Wie ich später erfuhr, wurde er einstimmig gefällt. Ich kehrte zu meiner Famüie zurück, bei der sich die nervenzer- reißende Spannung und Aufregung, das wochenlange Martyrium in krampfhaftem Schluchzen auslöste, um endlich einer beruhigenden Genugtuung Platz zu machen. Die Präklusivfrist, die der Anklage den Rekursweg freiließ, wurde nicht benützt, da alle Argumente des Anklägers zerschellt waren. So endete trotz all der aufgewendeten ungeheuren gerichtlichen und vor allem diktatorischen Gewaltmittel der Prozeß mit einem vollständigen Niederbruch meiner haßerfüllten Feinde. Ich glaube, in einem anderen Land hätte schon der Fluch der LächerlichkeitundBlamagedieCUqueunnachsichtig weggeschwemmt. Bei uns traf dies aber ganz und gar nicht zu. Im Gegenteü. Sie gab ihr freundwilliges Spiel noch lange nicht verloren. Zunächstwandte sie die traditionellen kleinlichen IVIittelund Mttel- chen an, die zwar nicht vernichten, aber tief schmerzen. So ließ sie beispielsweise sieben Tage verstreichen, ehe sie die Urteüspublikation verkündete, wo sie doch dreiundeinhalb Monate vorher meine Ver- haftung und Beschuldigung nicht rasch genug in die Welt hatte po- saimen können. Dann erfolgte endlich die Verlautbarimg. Aber nicht etwa in einer würdigen, die Motivierung des Freispruches enthalten- den Form, sondern in einem mit Gesetzesparagraphen und Über- tretungsmöglichkeiten angefüllten Communique, in dem das frei- sprechende Urteü fast mit Mühe herauszufinden war. Sie taten es mit gutem Grund. Hätte man den Motivenbericht publiziert, wäre 441
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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